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Mini-Dekupiersäge (revitalisiert)

Verfasst: 16.06.2019 21:03
von emanuel
Mittlerweile habe ich mir in den letzten Monaten ja meine kleine Wohnzimmer-Werkzeug-Sammlung zusammengestellt, um fröhlich kleine Holzarbeiten basteln zu können... aber bereits vor bald 8 oder 10 Jahren (?) hatte ich mir bereits einmal eine sogenannte Dekupiersäge von Proxxon in einer verstaubten Schachtel eines Baumarktes in einer Kurzschlusshandlung einfach mal eben so gekauft. Damals nutzte ich sie, um ein paar kleine Formen auszuschneiden, allerdings habe ich mich nie ernsthaft tatsächlich dann damit beschäftigt und sie zudem auch ein wenig sehr malträtiert... mit zu dicken Hölzern, Metall und anderen Pfusch-Dingen und ohne viel Rücksicht und so weiter. :nein:

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Das ist das kleine Ding. So wie die meisten Geräte von dem Hersteller, ist auch dieses Gerät Wohnzimmertisch-tauglich und recht simpel aufgebaut. Ein eingespanntes Sägeblatt bewegt sich mit einer Hubvorrichtung rauf und runter und dadurch wird das Werkstück, z.B. eine Balsaholzplatte, durchgesägt. Allerdings hat die Dekupiersäge ihre merkbaren Grenzen und ist wirklich nur für den kleinen Modellbau und Mini-Bastler... denn Holz und andere Materialien mit mehr als 1 cm Dicke sind zwar möglich, aber auch nur, wenn man sehr viel Geduld, ein taubes Ohr und viele Sägeblätter hat. :D

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Nun ist die Frage: warum habe ich sie hier noch nicht vorgestellt? Ganz einfach... sie wurde damals durch meine zu rohe Handhabung von Mal zu Mal lauter und lauter, ratterte und klapperte extrem, war irgendwann dann auch schwierig einzustellen und gefühlt irgendwie "ausgeschlagen", vor allem der Getriebeaufsatz konnte mit einem alten Lada mithalten. Außerdem ist sie innen nicht leicht zu reinigen und mir gingen irgendwann auch die Sägeblätter aus, die damals auch der Reihe nach aufgrund der oberen Probleme flöten gingen und ich konnte mich irgendwie nicht dazu aufraffen, neue Blätter zu kaufen. Schlussendlich hatte ich sie dann im Kasten verstaut und mehr oder weniger vergessen und auch verdrängt... die seitliche Abdeckung fehlt auch und ich habe keine Ahnung mehr, wo die hingekommen ist und ob sie überhaupt noch existiert. :komisch:

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Aber die Zeiten ändern sich, man wird älter und alte Interessen erwachen erneut. Zudem sind die Maschinen des Herstellers in der Regel ja sehr treu und langlebig, so zumindest meine persönliche Erfahrung. Also bringen wir sie wieder ins Leben und schauen, ob mit Reinigen, neuem Einstellen und Schmieren das Ding womöglich doch wieder rund läuft. :)

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Zuerst lösen wir die hinteren Schrauben des Sägebügels, die leider nicht sehr praktisch und tief innen sitzen und nur mit Mühe zu lösen sind, da der Bügel selber dabei im Weg ist... das kostet gleich mal einige Schweißtropfen. :nein:

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Dann löse ich die Deckplatte bzw. die Verschraubung, allerdings war das gar nicht notwendig und wäre unpraktisch. Stattdessen entfernen wir nämlich die Schrauben auf der Unterseite des Gerätes und heben damit den Plastikboden an.

Re: Mini-Dekupiersäge (revitalisiert)

Verfasst: 16.06.2019 21:15
von emanuel
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Und hier sehen wir das minimalistische Innenleben. Recht verdreckt, mit altem, verfestigten Sägemehl überzogen, da und dort ziehen sich leichte Fäden durch und generell ist alles ein wenig verklebt. Sogar in der rechten Hälfte, die eigentlich abgetrennt ist. Der Aufbau ist sichtbar einfach... ein Motor mit dem Getriebe und der Drehzahlregler... mehr gibt es eigentlich nicht zu sehen. Gut, dass man hier mal sauber macht. :blabla:

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Hier die abgelöste Platine im Retro-Style. Ich mag ja solche klassischen, einfach strukturierten und großzügige Aufbauten. Meine verschütteten Elektronik-Kenntnisse lassen einen gelben Filter- bzw. Sicherheitskondensator erkennen, unten das silberne Ding ist der Dreh-Potentiometer, mit dem man außen die Drehzahl regelt, das kleine blaue Ding oben mit der DIAC-Bezeichnung dürfte eine Zweirichtungs-Diode sein und so weiter. Mir fällt nebenbei auf, dass der braune Keramikresonator direkt auf dem Potentiometer liegt - weil der Platz nicht mehr zulässt. Das ist insofern nicht so mein Ding, weil das Gerät durch das Sägen ziemlichen Vibrationen ausgesetzt ist... etwas mehr Spielraum würde sich in dem Gehäuse nämlich locker ausgehen. :schade:

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Schrauben wir auch mal den Motor mitsamt dem Getriebeaufsatz ab... wie man sieht, ist alles mit Ablagerungen der Jahre zuvor voll und durchsetzt. Vorne beim Plastikaufsatz habe ich bereits die Abdeckplatte gelöst, deswegen sieht man hier bereits den freiliegenden Fettblock im Getriebe... leider habe ich das Foto vergessen, aber es war ziemlich vermengt mit Ablagerungen, Holzspäne und Abtrieb und auch zur Seite gedrückt. Sicherlich ein Mitgrund für die Lautstärke. :knirsch:

Re: Mini-Dekupiersäge (revitalisiert)

Verfasst: 16.06.2019 21:29
von emanuel
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Hier haben wir die beschriftete Unterseite des 85 Watt Motors... laut Herstellerangaben im offiziellen Blatt übrigens mit 150 bis 2.500 Umdrehungen in der Minute. :D

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So wie bei den meisten Werkzeugen und auch bei den Anderen meiner Proxxon-Geräte wird hier die Kraft mit einem Zahnriemen übertragen. Der Bereich scheint aber tatsächlich sauber geblieben zu sein und wirkt in Ordnung.

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Jetzt schauen wir uns den Lagerblock an... standardmäßig und wie üblich über ein kleines Loch von Werk aus mit eingepresstem Schmierfett gefüllt, das allerdings nicht mehr den ganzen Raum ausfüllt. Weil mir in dem Moment fast das Ding weggerutscht wäre, ist das Foto etwas unscharf. Da ich zwar ein passendes Fett für die Anforderungen von hohen Drehzahlen, Temperatur und Druck hätte, aber leider (noch) keine Fettpresse, entferne ich alternativ soviel wie möglich vom eingetragenen Sägemehl überall und verteile später das alte, recht feste Fett neu und schmiere alles damit großzügig ein. Der kleine, viereckige Metallblock, den man rechts auf dem Foto übrigens sieht, sitzt beweglich und leicht versetzt auf der Scheibe auf, die vom Motor angetrieben wird und sich dabei im Kreis dreht...

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... und durch diese Bewegung wird dann dieses aufgesetzte Teil angetrieben und bewegt damit das Sägeblatt rauf und runter. Ein sehr einfaches und klassisches Prinzip, wie man es überall da und dort finden kann. Nach einer gründlichen Reinigung mit heißem Wasser und Zahnpasta (ja, medizinische Zahnpaste ist ideal, um alles fettfrei und sauber zu bekommen, klappt auch bei Armbanduhren mit Metallgehäuse und so weiter), wird es neu eingefettet - wie auf dem Foto zu sehen ist. :wissen:

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Dann setzen wir alles wieder zusammen, verteilen das Fett neu, so gut es halt mit den Resten geht, auch die Textildichtung, die schon fast ganz in das Innere des Getriebeblocks gezogen wurde und mit einer verhärteten Schicht an Holz- und Metall-Ablagerungen versetzt ist, wird so gut es geht gereinigt und ebenso die beiden Lagerringe am oberen und unteren Ende von verfestigten Ablagerungen befreit und neu befettet. Schaut vielleicht am Foto wüst aus, ist aber tatsächlich so gewollt und soll so ausschauen. Danach nochmal reinigen, absaugen und so weiter. :)

Re: Mini-Dekupiersäge (revitalisiert)

Verfasst: 16.06.2019 21:39
von emanuel
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Nach der Reinigung, auch der Elektronik, fallen mir die Druckstellen an den Kabel bei den Trennwänden des Plastikgehäuses auf. Auch hier wieder bin ich der Meinung, dass genug Platz für andere Lösungen wäre, denn das Gehäuse ist mehr oder weniger zu 60% ungefüllt und abdichten könnte man auch anders. Ich behalte es mal im Hinterkopf und im Auge. :komisch:

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Aber wie auch immer... wir setzen nun alles frisch und gereinigt zusammen und es wirkt schon mal besser und wieder fast wie neu!

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Bevor wir aber weiter machen, lassen wir noch den Bügel mal weg und testen stattdessen die Elektronik bzw. den Motor mitsamt Antrieb im Leerlauf... und sehr fein: läuft sang und klanglos und wunderbar leise - wie damals frisch nach der Anschaffung. Die Lautstärke entspricht dabei ungefähr dem einer Nähmaschine oder einem vergleichbaren Gerät. Nicht leise, aber auch nicht laut. Zur Sicherheit lasse ich die kleine Dekupiersäge dann noch zehn Minuten lang durchlaufen, damit sich auch alles gut einläuft und einfettet... passt. :)

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Jetzt kümmern wir uns noch schnell um den Sägekopf am Bügel... ich zerlege ihn jedoch nicht vollständig, da er prinzipiell relativ sauber ist, stattdessen öle ich alle beweglichen Teile neu mit einem Nähmaschinen/Fahrradöl und ziehe alles neu fest bzw. tausche Einige der Schrauben.

Re: Mini-Dekupiersäge (revitalisiert)

Verfasst: 16.06.2019 21:42
von emanuel
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Leider habe ich momentan keine Sägeblätter, die muss ich erst bestellen, also nehme ich für den Test das letzte, vorhandene und sehr verbogene Blatt, das auch von einem anderen Hersteller ist, soweit ich mich erinnern kann... aber egal. Es geht ja nur um einen Test... zum Einspannen beginnen wir unten - leider nicht sehr zugänglich, ein langer Inbusschlüssel hilft dabei - und fixieren es erst dann oben, ebenfalls mit einer Inbusschraube. Übrigens werden bei der Säge nur Blätter ohne Querstifte zur Einhängung genutzt. :)

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Das alte Blatt ist etwas widerspenstig, aber das geht schon... auch entfette ich die Halteklammern des Sägeblattes und richte sie neu aus. Es wird spannend, denn nun starten wir das Teil mit einem welligen, verbogenen Blatt.

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:party Jap... klappt sehr gut, auch wenn es nur ein schneller Test ist... läuft sauber, deutlich leiser als früher und hat kaum mehr Erschütterungen bzw. Vibrationen. Damit lautet das Fazit also: Operation gelungen, Patient lebt nach langer Zeit und Stillstand wieder und ich schaue mich gleich nach neuen Sägeblättern um. Eine feine, alt-neue und sehr nützliche Erweiterung für mein kleines Basteleck!

Ich bin zufrieden. :tap: