Abdeckung für Messuhr

Sammlung von nützlichen Alltagswerkzeugen
Antworten
Benutzeravatar
emanuel
Administrator
Beiträge: 136
Registriert: 07.04.2019 10:43
Wohnort: Wien
Kontaktdaten:

Abdeckung für Messuhr

Beitrag von emanuel » 08.06.2019 13:34

Vor längerem online um ca. ~12 Euro bestellt, liegt nun seit einiger Zeit eine Messuhr bei mir herum, bei der ich schon die ganze Zeit eine andere Rückenabdeckung anfertigen wollte. Irgendwas, das schnell, unkompliziert und wenig Aufwand bedeutet. Vielleicht aus etwas Furnier? Schauen wir mal...

Bild

Die erste Antwort vielleicht gleich auf die Frage, was denn eine Messuhr überhaupt ist? Nun, wie man am Foto oben sehen kann, kann man damit kleinste Unterschiede (in dem Fall wie genau zentriert ist der Teileapparat) feststellen und zwar nicht nur auf den Millimeter, sondern auf Mikrometer (μm) genau, also die nächste Ebene - in Zahlen gesprochen, bewegen wir uns dabei in 0,01 mm-Schritten. Früher hat man zu dieser Messeinheit auch Mikron gesagt, was mir auch persönlich am besten gefällt. :)

Bild

Die Packung hat wohl einen weiten Weg hinter sich und die Messuhr ist, wie üblich bei den meisten Dingen, in China hergestellt. Auch wenn die Produktfotos im Netz hochwertig wirken, ist die tatsächliche Qualität geringer. Die Frontscheibe ist aus Plastik, die Halterung scheinbar aus einem sehr weichen Metall, der Korpus scheint aus Aluminium zu sein, die Rückenplatte mit Halterung ist ebenfalls aus Plastik. Der Unterschied zu 50+ Euro-Messuhren ist auf jeden Fall deutlich ersichtlich.

Bild

Es wirkt leicht klapprig und die Zahnstange ruckelt merkbar ganz schön bzw. läuft nicht sauber. Hier sieht man auch das Alltagsproblem... die Abdeckung mit Befestigungsmöglichkeit. Stört einfach und ich will sie nicht. :niemals:

Bild

Die Funktion so einer Messuhr ist übrigens wirklich recht simpel. Der große Zeiger zeigt die Mikrometer an, während der kleine Zeiger unten links ergänzend je die 1mm-Schritte anzeigt, also die höhere Ebene - insgesamt lässt sich die Zahnstange 1 cm weit einschieben. Bei jeder vollständigen Umdrehung des großen Zeigers, bewegt sich der kleine Zeiger um eine mm-Einheit weiter.

Bild

Schrauben wir mal die Plastikabdeckung ab... dabei merke ich erst, wie lose die ganzen Schrauben eigentlich sind. Zudem sind die Bohrungen unsauber und dürften fast mit der Hand gesetzt worden sein oder die Fassung oder der Bohrer hatten bei der Produktion etwas Spiel. Wie man auch sieht, ist der Aufbau innen recht schlicht. Die lange Zahnstange treibt zwei Zahnräder an, eine große Feder dient als Widerstand beim Eindrücken und die Plastikschiene links oben hält die Zahnstange in der richtigen Position.

Bild

Der kleine Zapfen ist ja recht herzig, aber sogar der war, wie auch alle anderen Schrauben, etwas locker und es ist eher ein Zufall, dass sich nichts gelöst hat. Unter Umständen war auch der Transport mit LKW, Schiff und sonstigen Gefährten etwas unrund und vibrierend und hat dazu geführt. Also mal alles neu festigen und mit etwas Nähmaschinen-Öl leichtgängiger machen. Und innen diverse Produktions-Brösel entfernen. Irgendwie kann ich mir bildlich vorstellen, wie solche Produkte in Massen in düsteren Produktionshallen mit einer Vielzahl an Fließbandkräften entstehen... :nein:

Benutzeravatar
emanuel
Administrator
Beiträge: 136
Registriert: 07.04.2019 10:43
Wohnort: Wien
Kontaktdaten:

Re: Messuhr

Beitrag von emanuel » 08.06.2019 13:40

Bild

Jetzt nehmen wir einen Rest an Furnier-Platten und zeichnen die Rundung der Messuhr dreimal ab.

Bild

Ausnahmsweise habe ich dieses Mal die Markierungen wieder mit der Schere ausgeschnitten, auch wenn Schere und Furnier nicht unbedingt Freunde sind, da es öfter springt und einreißt - aber es gelingt dieses Mal recht gut. Dann kleben wir die Scheiben mit viel Leim zusammen und lassen sie gepresst trocknen.

Bild

Danach schneide ich die Form nochmal etwas zu und den Rest schleife ich vorsichtig mit feinem Schleifpapier am Tellerschleifer zu. Wird ja richtig rund... den Vorgang muss ich insgesamt dreimal wiederholen, bis die Form passt. :D

Bild

Auch wenn ich das ganze Ding hier für das Foto mit dem Smartphone etwas schief halte: ich messe nun die Abstände der Bohrungen zum Rand ab...

Bild

...und markiere auch dementsprechend am Furnier deren Positionen.

Benutzeravatar
emanuel
Administrator
Beiträge: 136
Registriert: 07.04.2019 10:43
Wohnort: Wien
Kontaktdaten:

Re: Messuhr

Beitrag von emanuel » 08.06.2019 13:47

Bild

Mit einem feinen Bohrer folgen nun die Löcher für die Schrauben, damit die Platte dann als Abdeckung befestigt werden kann.

Bild

Auch hier musste ich dreimal den Vorgang wiederholen und schlussendlich habe ich noch mit einem runden Fräsbohrer Vertiefungen für die Schrauben vorgenommen. Schaut ja gar nicht mal so schlecht aus. :)

Bild

Jetzt noch mit einem Standardlack lackieren und damit weiter härten - obwohl bereits der Leim und die drei versetzten Furnier-Lagen erstaunlich fest sind.

Bild

Und das war es auch schon wieder. Jetzt muss man nochmal ein wenig am Tellerschleifer abschleifen und mit Schleifpapier zudem die Kante abrunden... das folgt später, wenn ich wieder Zeit habe.

Es ist also nicht ganz perfekt, aber völlig ausreichend für meinen kleinen Alltag, wo die Messuhr sowieso nur eine untergeordnete Rolle spielt. Aber mit der neuen, flachen Furnier-Abdeckung kann ich sie nun auch auf der Tischkreissäge nutzen, damit es ein bisschen genauer wird, wenn ich mal die Führungsschiene um nur und genau 1mm versetzen möchte. Bisher war das mehr schätzen, da auch bei der finalen Befestigung bzw. Verschraubung der Schiene nochmal immer leicht ungewollte Bewegung und Neigung hinzukommt... mit der Messuhr kann ich solche Abweichungen nun etwas besser "beobachten" und korrigieren. Und das nun Alles, ohne, dass die Standard-Abdeckung mit der abstehenden Befestigung dabei im Weg ist. :)

Antworten