Trackball unter Linux

Diverse Sammlungen und Notizen
Antworten
Benutzeravatar
emanuel
Site Admin
Beiträge: 51
Registriert: 3. Mai 2020, 09:46

Trackball unter Linux

Beitrag von emanuel »

Ich bin ja gerne experimentierfreudig mit meinen Kisten, aber natürlich auch den Eingabe-Geräten und habe deshalb schon vor langer Zeit mal auf den großen Trackball von Kensington gesetzt (ich liebe das Drehrad zum Scrollen, wirklich großartig und top). Die Eingewöhnungsphase ist anfänglich doch eine Herausforderung, man gewöhnt sich aber schnell daran und dann lernt man es lieben. Auch wenn es jedoch durchaus etliche Wochen braucht, bis man sich sicher fühlt, der Mauszeiger mit den zittrigen Fingern nicht mehr wackelt und man auch gar nicht mehr darüber nachdenkt, wie man denn eigentlich die Maus so steuert.. sondern es einfach tut.
20200813_174356.jpg
20200813_174356.jpg (58.87 KiB) 87 mal betrachtet
Etwas später und aus mobilen Alltagsgründen im Beruf habe ich dann auch begonnen zusätzlich am Laptop mit der Klassiker-Maus M570 zu werken... die ist wirklich gut und empfehlenswert. Vor allem im Büroalltag ist sowas feiner als das Touchpad und das Ding ist zwar nicht klein, aber dadurch dass sie drahtlos ist, ist sie schnell mal eingesteckt und ins nächste Meeting mitgenommen.
20200813_174241.jpg
20200813_174241.jpg (58.55 KiB) 87 mal betrachtet

Benutzeravatar
emanuel
Site Admin
Beiträge: 51
Registriert: 3. Mai 2020, 09:46

Re: Trackball unter Linux

Beitrag von emanuel »

Weil ich aber eben gerne verschiedene Dinge probiere, werke ich seit heute nebenbei mit einem ebenfalls schon recht Old-school-lastigen Logitech TrackMan Marble, den es ja auch schon seit Ewigkeiten gibt und dadurch irgendwie beinahe schon zu den echten Oldies zählt. :angel:
20200813_174419.jpg
20200813_174419.jpg (74.97 KiB) 86 mal betrachtet
Allerdings bin ich anfänglich unter Linux gescheitert, das Scrollen zum Laufen zu bekommen, denn es gibt ja kein Scrollrad in dem Sinn bei diesem Trackball. Die Lösung unter Mint liegt in einer angelegten 50-trackball.conf im Verzeichnis /usr/share/X11/xorg.conf.d/ mit folgenden Inhalt:

Code: Alles auswählen

Section "InputClass"
    Identifier              "Marble Mouse"
    MatchProduct              "Logitech USB Trackball"
    Driver                    "libinput"
    Option                   "ScrollMethod" "button"
    Option                   "ScrollButton" "8"
Option	  	             "MiddleEmulation" "on"
EndSection
und damit lässt sich beim Drücken der kleinen Maustaste links auf Webseiten oder im Editor bequem nach oben und unten mit dem Trackball scrollen. Feine Sache! :)

Benutzeravatar
emanuel
Site Admin
Beiträge: 51
Registriert: 3. Mai 2020, 09:46

Re: Trackball unter Linux

Beitrag von emanuel »

Schon interessant... nachdem ich am Wochenende nicht dazu gekommen bin, konnte ich heute mit der Logi Marble Maus intensiv arbeiten und ich muss sagen, dass sie im grauen Alltag fast besser zu nutzen ist, als der Kensington-Trackball und sich aber auch ein wenig schneller als die M570 steuern lässt.

Ich glaube, es liegt an der Größe des Trackballs, der für meine Hand und Finger genau die richtige Größe hat. Der Kensington ist fast zu groß, so dass man mehr rollen und bewegen muss und bei der M570 ist er so klein, dass man ebenfalls mehr rumschwurbeln muss.

Auch ist die Haltung meiner Hand und Finger etwas angenehmer - auch nach etlichen Stunden ungewohnter Finger-Arbeit. Allerdings hat es mich massiv gestört, dass man mit der kleinen Maus-Taste auch Zurück drücken konnte, weil mir das unzählige Male passiert ist und ich das Feature in der Form auch so generell eher selten nutze... also habe ich diese Funktion still gelegt:

Code: Alles auswählen

Section "InputClass"
    Identifier      "Marble Mouse"
    MatchProduct    "Logitech USB Trackball"
    Driver          "libinput"
    Option        "ButtonMapping"       "1 2 3 4 5 6 7 9 0"
    Option          "ScrollMethod" "button"
    Option          "ScrollButton" "8"
    Option "YAxisMapping"       "4 5"
    Option "XAxisMapping"       "6 7"
Option		"MiddleEmulation" "on"
EndSection
Heißt in dem Fall die von der Erkennung her zugeordnete 8 in der ButtonMapping-Liste ausgelassen, damit ist sie deaktiviert. Seitdem ist der Alltag viel angenehmer - zumindest unter Linux. :)

Unter Windows am Firmenlaptop fehlen mir gerade die Rechte zum passenden Einrichten und auf der privaten, lästigen Windows-Kiste ist die installierte LogiTech-Software grausig. Schon wieder ein unnützes Stück an umfangreicher Software und dennoch nicht passend nach Belieben zu konfigurieren. Es ist wirklich schade, dass man nicht auch unter Windows das Schema von leicht editierbaren Textdateien zur Konfiguration zur Verfügung hat. |(

Aber mal abwarten - eine M-HT1DRBK wird noch die Tage eintreffen, ebenfalls von größerem Kaliber, aber vermutlich wird die Klassiker- und bei vielen altbewährte Marble wohl meine neue Lieblingsmaus.

Benutzeravatar
emanuel
Site Admin
Beiträge: 51
Registriert: 3. Mai 2020, 09:46

Re: Trackball unter Linux

Beitrag von emanuel »

So... und noch ein Modell, das ich unbedingt ausprobieren wollte - ein ELECOM M-HT1DRBK Trackball. Er hat auch die Bezeichnung HUGE, was seine Größe und den Trackball auch durchaus recht gut trifft. Dennoch wirkt das Teil dezenter als der Kensington, obwohl die Fläche beinahe ident ist. Im Gegensatz zu den anderen Trackballs finden sich hier drei zusätzliche F-Tasten, sowie zwei Vor- und Zurücktasten - neben dem üblichen linken und rechten Mausklick.
20200820_192703.jpg
20200820_192703.jpg (61.61 KiB) 54 mal betrachtet
Noch kann ich es nicht sagen, ob ich glücklich damit werde - merkbar ist bei dem importierten ELECOM auf jeden Fall, dass ich mich wirklich umgewöhnen muss. Beim Marble hat man das Ding nach einer Stunde recht gut intus bereits, bei dem Trackball muss ich momentan nach umdenken, denn er fühlt sich wie ein Daumen-Trackball von der Haltung an, aber wird eben genau umgekehrt gesteuert - das kommt davon, wenn man zu viele Varianten zur gleichen Zeit testet. |(
20200820_192710.jpg
20200820_192710.jpg (65.56 KiB) 54 mal betrachtet
Noch muss ich also etwas umgreifen und mitdenken und der Trackball selber ist irgendwie noch nicht ganz einzuschätzen - noch läuft er etwas schwerfällig und nicht so leichtgängig wie er sollte und müsste, um gut nutzbar zu sein, allerdings hatte der Kensington auch eine längere Einlaufzeit als die schlanke Marble oder die kleinere Daumen-M570. Auch dort dauert es natürlich, bis so ein Ball "natürlich eingefettet" ist und sich eingeschliffen hat, aber hier beim ELECOM ist es wirklich sehr träge. Schauen wir mal, wie schnell das Ding eine Spur dynamischer wird... jeder Trackball soll seine Chance haben.
20200820_192736.jpg
20200820_192736.jpg (65.44 KiB) 54 mal betrachtet
Eine Sache, die mich in den ersten Minuten etwas gestört hat, ist die beinahe etwas zu kurze Auflage für die Handwurzel... irgendwie fehlte mir da am Anfang so ein bis zwei Zentimeter, aber in den letzten paar Stunden hat sich das gelegt. Bin mir nicht sicher, ich muss auch das beobachten. Aber man muss sich auch hier erst an die Griffhaltung etwas gewöhnen, die sich mit den vielen Tasten etwas anders gestalten, als bei den anderen Maus/Trackball-Formen. .mh:
20200820_192753.jpg
20200820_192753.jpg (65.23 KiB) 54 mal betrachtet
Sollte der Trackball aber leichtgängiger werden noch (was sie alle nach einiger Zeit tun) und ich mich besser umgewöhnt haben, hat er eindeutig ein großes Potenzial zum Favorit zu werden. Zwar glaube ich, dass die Old school Marble ihre dauerhafte Berechtigung haben wird bei mir, weil einfach sympathisch, angenehm und irgendwie "natürlich logisch", die M570 im Büroalltag sich gut bewähren wird und der ELECOM M-HT1DRBK als Linux-Alltagswerkzeug an der heimischen Kiste. :)

Übrigens habe ich mir die Fn3-Taste zum Scrollen belegt, damit man den großen Trackball selber zum Rauf- und Runter-Scrollen nutzen kann:

Code: Alles auswählen

Section "InputClass"
    Identifier  "ELECOM TrackBall Mouse HUGE TrackBall"
    Option  "ScrollMethod" "button"
    Option  "ScrollButton" "12"
EndSection
kugeln.jpg
kugeln.jpg (69.31 KiB) 52 mal betrachtet
Kleiner Nachtrag: der Trackball hat übrigens einen kleinen Schalter im Daumenbett, der es ermöglicht die Auflösung der Trackball-Abtastung einzustellen - niedrig, mittel und hoch... 500, 1000 oder bei Bedarf 1500 DPI... allerdings wird mir da das Teil schon zu flattrig und flippig genau mit meinen zittrigen Fingern. Die Marble kommt da beispielsweise nur auf 300 DPI - was aber ebenso ausreichend ist im Standard-Alltag.

Eventuell werde ich irgendwann noch einen L-Trac als Letzten des prinzipiellen Genres testen, denn die anderen Variationen sind nur noch Abklatsche der hiesigen Trackballs bzw. für mich irgendwie nicht so reizvoll. Aber nur dann, wenn er mal wo auf Ebay oder so vergünstigt auftaucht, denn absurderweise nutzen nur mehr wenige Menschen (aber gefühlt wieder nun mehr) Trackballs in der heutigen Zeit und dennoch sind die Preise teilweise deftig. Das ist so wie bei der Kinesis-Tastatur, mit der ich gerne mal rumtun würde, aber der Preis mit an die 500 Euronen macht da keinen Spaß - vor allem wenn man so wie ich mit einer 30 Euro Tastatur eigentlich ja recht glücklich ist. Gilt auch für die spannende Maltron - teuer, nicht in meinem Alltag brauchbar, aber spannend.

Antworten