# Honigtropfen

Eine Wiese aus Gedanken und Alltagsblüten im Honignadelwald

Das Wiki-Leben

Das ist eigentlich nur eine kurze Notiz, aber ich bemerke durch den „neuen“ Alltag in meinem Leben eben gewisse zeitliche Einschränkungen, wie man auch sicherlich am Blog und Forum und so weiter merkt… soll heißen, es fehlt da nun einfach die Zeit und Energie dazu. Aber still bleibt es dennoch nicht, stattdessen will ich mich mehr in das „neue“ Wiki zurückziehen, auch wenn das jetzt eigentlich das falsche Wort ist, denn es ist eigentlich viel eher eine Befreiung und bietet mehr an Spielraum für mich.

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Vor vielen, vielen Jahren bin ich ja über die Seiten von zum Beispiel unter anderem Markus, Marc und Anderen gestoßen, die ein bisschen so am Rande des Netzes ihr eigene Seite befüllen und bunt gemischt diverse Sachen online stellen oder stellten. Rudimentär, einfach und sehr unkompliziert – ganz ohne Marketing, Portfolio-Kram, durchdachten Formulierungen oder Kommerz im Hintergrund. Die Seiten wirken unscheinbar, aber folgt man dem einen oder anderen Link in den Texten, verliert man sich plötzlich in Dutzenden noch weiteren Einträgen, zusätzlichen Links und noch mehr Seiten und man entdeckt Stück für Stück oftmals ein unglaubliches Sammelsurium an Erzählungen, Geschichten, Projekten, Ideen oder kleinen Notizen aus dem normalen Alltag eines Menschen. Ohne besondere Hierachie oder Hintergrund und kaum aufbereitet für die Masse und meistens nur mit wenigen Besuchern oder einer sonstigen Anbindung an die Hyper-Welt.

Und ich mag so etwas sehr. Immer schon und viel mehr, als die glatten Portfolios oder Profiling-Blogs. Das sind Dinge und Einträge, die ich gerne lese, die tun nicht weh, die fordern nicht und verkaufen nichts, es ist manchmal nett oder lustig geschrieben und man weiß, da liest wohl nur selten jemand drüber. Halt sympathisch und „unbemüht“. Ausgelebt.

Es erinnert mich immer irgendwie an ein Haus oder an eine Hütte in einer schönen, unberührten Landschaft, die noch voller unverfälschter Natur ist, in der man noch frei Atmen kann und die ständig neue Entdeckungen bietet. Man klopft nach einer zufälligen Wanderschaft an, tritt ein und dann erforscht man in den nächsten Wochen und Monaten und mehr langsam und in Ruhe immer mehr von dieser Welt, kennt sich dann langsam auch in dem oder anderen Winkel aus und freut sich über jeden weiteren Schritt. Ähnlich wie eine gute Buch-Serie, wo man in jedem Band neue Erlebnisse erfährt, aber dennoch schon weiß, woran man ist und sich damit Stück für Stück erfreut weiter in diese Welt tastet.

Solche Seiten sind oft auch nach Jahren noch für den Autor selber informativ und lesenswert. Ähnlich wie ein altes Fotoalbum aus den Kindertagen, wo man sich dann auf jeder Seite wieder Stückchenweise an diese oder jene Begebenheiten der damaligen Zeit erinnert. Vielleicht auch eines Tages für meine kleine Schwester, falls sie mal darüber stolpert.

Daraufhin steuere ich nun eh schon die letzten Jahre mehr und mehr zu, kürze meine Seiten und „kompaktisiere“ Vieles, investiere nicht mehr ganz so viel Zeit und glücklicherweise ist es mir mittlerweile auch völlig egal geworden, ob man mich im Netz findet oder nicht. Schlicht und ergreifend auch deswegen, weil es beruflich nun einfach keine Rolle mehr spielt… in der IT-Branche bin ich nicht mehr und auch sonst kann ich aus meinen Texten oder Blog irgendwie nicht mehr wirklich einen Gewinn schlagen. Speziell für den aktuellen Beruf gibt es hier keinen Mehrwert oder Hintergrund, der damit bedient werden kann und es interessiert dort auch niemanden oder schenkt einen Bonus. Es gibt sozusagen keinen Wirkungskreis mehr, der befüttert werden müsste – im Gegensatz zu früher.

Und das befreit enorm, wie ich vor allem die letzten Wochen gemerkt habe. Es ist einfach egal geworden, weil es mittlerweile keine direkten Auswirkungen mehr auf mein Leben hat und auch generell möchte ich nichts mehr beweisen müssen. Ich für mich weiß, was ich online kann und das reicht mir, das muss ich nicht noch extra bestätigen, in dem ich mich weiter auf Twitter, Instagram, Facebook und so weiter herumtreibe und dabei Herzchen mit durchdachten Einträgen oder Bildern sammle.

Langfristig wird es vermutlich so enden, dass es nur mehr diesen Blog hier und das Wiki drüben gibt, wo ich Alltags-Dinge sammeln möchte. Das spüre ich. Und ich freue mich darauf, nur muss ich erst lernen, mich selber davon zu lösen. Das ist das eigentliche Hauptproblem… ich selber bin das Hindernis dabei und verliere mich bei vollem Bewusstsein gerne in vielen Online-Projekten.

Wie auch immer… das Gemälde da oben reizt mich sehr und es zeigt die Richtung, auf die ich online steuere. Mein kleines Wiki-Häuschen in einer ruhigen, unberührten Landschaft. Da kann ich rumackern, basteln, werken und in den blauen Himmel schauen – und wenn jemand vorbeistapft, dann bekommt er eine gute Tasse Tee und man setzt sich in Ruhe in den Garten und genießt die Entspannung.

Klingt völlig übertrieben beschrieben und extrem kitschig, aber ich meine das wirklich so. Das sind tatsächlich Dinge, mit denen ich mich so im Alltag gerne beschäftige und die mir Freude schenken. Auch wenn das Viele nicht nachvollziehen können oder gar keinen Bezug dazu haben.

Aber für Jemanden, der seine Zukunft ursprünglich im Netz viele Jahre lang – fast zwei Jahrzehnte bald – aufgebaut hatte, unzählige Aufgaben, Projekte oder eben auch Berufe unter anderem durch seine Webseiten mitgestaltet oder gar dadurch erst überhaupt ermöglicht wurden und anhand derer ich auch wieder weitergereicht worden bin, ist das schon eine markante Veränderung. Fühlt sich aber durchaus gut an.

Gemälde: Frederic Edwin Church (Princeton University Art Museum) [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Turnen auf den Holzplanken

Seinen Heimathafen zu finden, ist wohl so ziemlich die schwierigste Aufgabe, der man sich als Mensch vermutlich stellen kann. Zumindest sage ich mir das, während ich gerade in den blauen Himmel schaue, neben mir ein strahlendes Blätterdach, das in einem satten, hellen Grün mit etwas Schattenspiel aufleuchtet und vor mir eine trockene Wiese, die in der Sonne mit den Farben ihrer Blüten spielt. Währenddessen versuche ich in mir die Ruhe zu finden, die sich in den letzten Wochen etwas verlaufen hat und vom Weg abgekommen ist.

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Dichte Tage, vollgestopft mit seltsamen Begriffen, komplexen Abläufen und das Alles in einem ungewohnten, völlig neuen Terrain, in den man vorsichtig einen Schritt vor den Anderen setzt, immer ein Auge nach rechts und links werfend. Ein neuer Job. Der interessanterweise mehr an Lernen und Aufmerksamkeit verlangt, als in all den Bisherigen, wo ich mehr oder weniger eigentlich immer schlicht und ergreifend meine bestehenden Erkenntnisse und Wissensspuren des Lebens einsetzen und ausspielen konnte. Zum ersten Mal jedoch nützt das nichts und ich beginne bei null, ganz am Anfang. Spannend und anstrengend zugleich.

Aber das Leben besteht aus dauerhaften Umbrüchen und das auch immer dann, wenn man damit nicht rechnet. Der Tod hat sich auf unangenehme Weise herangeschlichen, sein ausnahmsloses Werk im Umkreis eines nahen Menschen vollendet und schlussendlich auch bei mir in der eigenen Wohnung. Es herrscht seitdem eine seltsame Stille, eine völlig ungewohnte Ruhe und die Abläufe des Tages haben sich in den letzten Tagen massiv verändert.

Die kleine Fellkugel, die immer wie ein heller Schatten an und bei mir war und deren Pfoten ich vor wenigen Tagen noch massiert hatte, ist nicht mehr. Zurück bleibt eine zweite, verwirrte, nicht verstehende Fellkugel, die als Geschwisterchen mit der neuen Situation überfordert ist und noch immer wartet, dass der Kleine aus seinem Versteck hinter dem Kasten oder der Waschmaschine hervor kommt.

Und ich schaue zu und hadere mit mir selber. Ich bin unruhig, angespannt und sehr müde, weil zwei Aufgaben auf beiden Seiten des Alltags sind Dinge, mit denen ich generell nicht gut zurecht komme in der Regel. Meine Art des Fokussierens bewältigt meistens nur eine Hürde zur gleichen Zeit, ansonsten komme ich schnell ins Straucheln und rolle mich zusammen, mit fest zusammengeschlossenen Augen und horche heimlich.

Zeitgleich jedoch verspüre ich auch einen Abfall von Last, eine ungewohnte, langsame Ruhe, die mich umhüllt und dennoch, auf eine seltsame, schuldvolle Art und Weise nicht unangenehm ist. Der Kleine war eine große Aufgabe, erforderte jeden Tag auf das Neue viel Zeit, Energie und ebenso viele Nerven, die auch ich nicht immer in eine positive Form wandeln konnte. Die Krankheit, Abmagerung, ständige Verdauungsschwierigkeiten, der Eiertanz mit Tierarzt, Nadeln und der Dosis, das Bangen beim Heimkommen, das Erbrochene im Bett, die aufgerissenen Konservendosen, die zerkratzte Türe, das Jaulen, das Leiden und die Tage, wo ich einfach aus der Wohnung musste, weil ich den Anblick nicht sehen oder auch manchmal nicht hören konnte.

Es ist auch eine neue Form der Bewegung. Nun springt und bewegt sich nichts mehr beim Aufstehen oder beim Aufwachen. Es herrscht Stille. Meine Reaktion ergibt kein Spiegelbild einer biologischen Dynamik mehr, der Schlaf hat sich verändert und plötzlich stehen Türen offen, die vorher fast durchgehend nahtlos verschlossen waren. Essen steht auf dem Tisch und auch dann noch, wenn ich kurz aus dem Raum gehe. Früher hingegen war jedes Aufstehen ein Abenteuer, ein Stress und mit einem Problem behaftet. Und ich weiß nicht, welches Gefühl ich zulassen kann, darf und soll.

Es ist eine Mischung zwischen Traurigkeit, Erleichterung, Frust, Einsamkeit, Losgelöstheit, einem Blick vorwärts und Schuld. Der innere Schwur hat sich dadurch erneut gefestigt – in einer Wohnung werde ich in Zukunft mein Leben lang kein Tier mehr halten, zumindest Keines, das größer als eine Stubenfliege ist. Es ist eine Quälerei, ein Frevel an Egoismus und menschlichen Bedürfnissen der Nähe, die man sich hier einfach abholt und sich nach Lust und Laune bedient. Oder gar gekauft oder sich geschenkt hat.

Liebe mich, um geschätzt zu werden. Liebe mich, um meine selbstlose Zuneigung zu spüren. Liebe mich, um Dir und mir einen Sinn zu geben. Liebe mich, um geliebt zu werden. Liebe mich, damit ich meine eigene Liebe spüre.

Es stößt mich mehr und mehr ab. Und es ist wider der Natur, stellt sich gegen jede Vernunft und Verpflichtung, die man als Mensch erfüllen sollte. Daraus werde und möchte ich für das restliche Leben lernen. Und der Kleinen, jetzt verlorenen und einsamen Fellkugel, die nun alleine im Wohnzimmer sitzt und in die Stille schaut und hofft, die Pfoten stützen.

Die neue Lebenssituation fühlt sich wie das Turnen auf einer Holzplanke an. Ein vertrautes Gefühl unter den Füßen und zugleich schwankt und federt es, kontrolliert und unkontrolliert. Das Wasser darunter lockend und eiskalt zugleich. Man vertraut dem warmen Holz, aber es knarrt und knirscht und nur mit Mühe hält man sich an der Leine und im Gleichgewicht.

Zeitgleich wippt das Schiff des Lebens hin und her, das Wasser schlägt gegen die Planken, glitzert und schäumt etwas, es liegt ein Geruch von Sehnsucht und Weite in der Luft, dabei ruft vom Land die Stille immer wieder herüber und der heimatliche Hafen, der da schon immer war und immer sein wird, strahlt das Gefühl von „Das bist Du“ aus.

Das Leben ist eine Bucht… manchmal zieht einem die Strömung weit hinaus, viel zu weit, man schwebt zwischen Verloren gehen und ertrinken in der Masse der Wassermoleküle hin und her… und manchmal rudert man gegen sie an und kommt trotz der Träumereien und des Willens nicht hinaus in die Weite.

Ein Spiel aus Flut und Ebbe, für eine natürliche Vollkommenheit und das entfaltende Leben bedarf es immer beiderlei. Man lernt.

Meinen digitalen Heimathafen habe ich die letzten Tage auch ein wenig umgeformt, den Sand neu zusammengeschüttet, die Linien der Muster frisch gezogen und vor allem mich wieder vermehrt der Einfachkeit besinnt. Und je trockener und feiner der Sand wird, umso glücklicher bin ich. Ein Sand, der zwischen den Fingern rieseln kann, der nicht klebt, nicht verklumpt und der nach Meer, Salz und Freiheit riecht. Meine Webseite.

Vielleicht stelle ich eines Tages fest, dass die Insel des Lebens gar ihr eigenes Schiff ist und losgelöst im Meer treibt. Es wäre eine unendliche, grenzenlose Freiheit und das Turnen auf der Planke und das immer wieder erneute Hochziehen an ihr wäre dann wohl nur mehr ein Zeitvertreib zum Vergnügen.

Ich höre nun der Musik der Natur zu. Dem Rauschen der Blätter, die sich im Wind wiegen. Wunderschön und das Glitzern der Sonne untermalt dabei jeden Ton und jede Bewegung. Und der Kleine mit seinen rosa Pfoten und dem wissenden Blick… ich vermisse Dich dennoch unglaublich.

Bild: Adelsteen Normann [Public domain], via Wikimedia Commons

The Rich Man’s Frug

Frug
Das ist einfach großartig. Nichts anderes.
Hier geht es zum Video.

Rollende Bucht

Es liegt Meeresgeruch in der Luft. Er weht gerade mit einer salzigen Note über die Landschaft, wirbelt den Staub am Weg daneben auf und lässt die länger werdenden Haare verwildert zurück, während die Sonne zugleich fröhlich durch sie hindurchblitzt und der blaue Himmel mit seinen zarten Wolkenfäden das gesamte Bild abrundet. Ein Sommertag… mit einer frischen, angenehm warmen und würzigen Note. Auch Brise trifft es gut.

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Ich bin nicht weit gekommen, habe ich mich in ein paar Gedanken verloren, gelesen, dann ein wenig gegessen, danach wieder in Gedanken verloren, bis ich mich endlich aufgerafft und der Wirklichkeit gestellt habe – das Leben spielt im Blätterrauschen seine Musik, ebenso in der Wärme des Sonnenlichtes und den bunten Blumen, die sich wie eine eingefärbte Milchstrasse über das dunkle Grün des Universums – oder ist es doch der Rasen – erstrecken.
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Goldschaum im Holzbecher

Wenn man denn eines lernt im zittrigen Leben, dann ist es unehrlich zu sein. Vermutlich bekommen wir schon von Kindesbeinen an mit, dass sich die Ehrlichkeit nur selten auszahlt, denn das offensichtliche Geschwurbel von „Alles kommt im Leben zurück“ betrifft nur die Kleingeister, die darüber fachgerecht und philosophisch sinnieren und ansonsten ängstlich in den Büchern des Wissens vor der Welt verstecken. Derjenige, der sich nicht länger als eine kleine Melange, die er in einer Bewegung hinabstürzt, Gedanken um diese Dinge macht, lässt sich selten von diesen Dingen einholen oder gar umgarnen. Er lebt einfach, er nimmt, er mordet.

Als Jüngling des Lebens, also in der Zeit, in der man sich selber überschätzt und damit auch durchwegs Erfolg haben kann, weil es der Gegenüber zwar weiß, aber zugleich sich allzu gerne blenden lässt und es auch bewusst toleriert, verschwendete ich da nicht besonders viel Zeit mit diesen gesellschaftlichen Gepflogenheiten. Es entspricht nicht der Natur oder gar dem Wesen des Menschen. Es fügt sich, wenn überhaupt, nur atypisch in unser Leben ein.
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