# Honigtropfen

Was kostet mein Blog?

Heute bin ich per Zufall über einen Beitrag von einem Futter-Blog gestoßen, also so schönes Essen, schöne Fotos – halt die klassische und übliche Foodblogger-Generation der heutigen Zeit. Und darin ging es darum, was denn eigentlich so ein Blog kostet. Eine spannende Frage für Leser, oder?

Blog-Kosten

Screenshot von gourmetguerilla.de

In dem Fall hat die Autorin eine vollständige, transparente Auflistung ihrer Kosten angeführt und dazu umfassende Infos drumherum. Ich zeige Euch mal hier einen Screenshot, den Rest könnt ihr ja direkt bei Gourmetguerilla nachlesen…

Es folgt dann noch eine weitere, eigene Aufstellung auf der Seite für die Kosten der Hardware – also Server, Domain, Computer, Kamera und all diese Dinge. Wohlgemerkt sind dies die Kosten, die pro Monat anfallen.

Natürlich der ideale Nährboden für lebhafte Diskussionen, da wird sicher noch mehr folgend. Hat sie recht, hat sie nicht recht – ist es überzeichnet um künstlich den Marktwert oben zu halten? Was ja per se richtig sein mag, denn wenn man sich andere Gebiete anschaut, dann hat man sich dort gegenseitig kannibalisiert mit viel zu niedrigen Preisen. Einer von vielen Mitgründen, warum es so schwer geworden ist, im Netz auf seriösen Kanälen an Geld zu kommen.

Fakt ist, wenn man nach dem gesetzlichen Mindest-Stundenlohn geht, dann ja – dann stimmt die Rechnung sehr wohl. Dass da einige Kostenpunkte wohl jedoch überzeichnet sind, kann man jetzt durchaus kritisieren und stoßen leider auch ein wenig auf, weil sie dann ja doch fragwürdig sind.

Das Schreiben, Korrigieren und all diese Dinge – ist völlig in Ordnung, das kann man sehen wie man will, die Realität hängt ja auch stark von der eigenen Arbeitsweise ab und wie sehr man im „Schreiben“ ist – wo für mich aber der Stolperstein ist, sind die Kosten der „Hardware“ bzw. des Netzzuganges… das sind Ausgaben des normalen Alltages und haben in der Rechnung per se in der Form nichts zu suchen – es sei denn natürlich, man verwendet den Anschluss, das Gerät und dergleichen tatsächlich ausschließlich dafür (stelle ich mal in Frage). Wenn schon transparent, dann auch wirklich hard facts und nicht erneut verwässern. Natürlich würde man genauso sagen, dass ein Privat-Auto, das man dienstlich verwendet, auch einberechnet werden würde – aber man würde da wohl seriös kaum den vollständigen Wert rechnen.

Woher ansonsten noch 80 Euro monatlich für Kamera und Zubehör kommen, erklärt sich für mich nicht ganz gerade, aber gehen wir mal davon aus, dass es ein ausgebreiteter Kostenpunkt ist, also der die Anschaffungskosten flächig widerspiegelt und in langfristiger, aufgerechneter Form verarbeitet wird.

Es ist also eine spannende Frage und immer wieder der Kampf zweier Gruppierungen – denen, die die Online-Welt kommerziell verwerten und mit ihr Geld verdienen wollen und auf der anderen Seite den vielen Enthusiasten, die ihre Freizeit opfern, schreiben, recherchieren, programmieren und so weiter – in guter Absicht und tatsächlich oft aus kollektiver Menschenfreundlichkeit. Beispielsweise laufen die meisten Server und auch Webseiten mit freien OpenSource-Tools, allerdings ist das den wenigsten Usern und Lesern überhaupt bewusst. Sogar Seiten wie Facebook und Co. basieren auf Fragmenten und Bibliotheken, die aus offenen, nicht-kommerziellen Gruppen stammen – sei es im Server- oder Datenbank-Bereich und so weiter.

Fakt ist aber: ja. Das Netz kostet. Zeit und Geld. Auch wenn man das nicht gerne hört und noch immer der „guten, alten Zeit“ nachtrauert, als alles frei war und offen und freundlich – und niemand von Kosten und dergleichen sprach. Dabei war es nie frei… immer schon waren alle Inhalte urheberrechtlich geschützt, immer schon musste Arbeitszeit oder Freizeit geopfert werden, jedes Foto bedeutet einen Kostenaufwand und so weiter. Aber eigentlich wissen wir das eh alle. Es sind Philosophien.

Deswegen schauen wir mal, was so ein kleiner Low-Lewel-Standard-Blog kostet. Also sprich wie hoch meine finanziellen Aufwendungen sind, wenn wir mal davon ausgehen würden, dass ich bewusst kommerziell agieren und Erfolge bei der Leserschaft vorweisen könnte (was mit Bastelbooten und Co. naturgemäß so nicht klappt)… monatlich und mit einem Stundenlohn von 8 Euro:

Das kostet mich also rechnerisch betrachtet dieser Blog hier. Einberechnet habe ich jetzt zum Beispiel einen Ausflug mit Fotos hier nicht, ebenso nicht irgendwelche Materialkosten für Experimente oder dergleichen, die hier angeführt werden. Ein nettes Sümmchen. Wenn ich jetzt noch das Forum dazu rechne und miteinbeziehe, würde das Ganze im Monat auf 282,38 Euro ansteigen.

Warum schalte ich jedoch keine Werbung? Aus Prinzip und will ich einfach auch nicht. Zudem bediene ich auch keine Zielgruppe hier, dazu ist der neue Blog hier nicht bekannt genug und zudem schreibe ich auch kaum Dinge, die für die Allgemeinheit relevant sind. Der Ausstieg aus Facebook und Co. vor einem Jahr bringt da ebenfalls naturgemäß ein paar Einbußen.

Bei meinem vorherigen Blog wäre das etwas sinnvoller gewesen, da dort tagtäglich zwischen 20 und 80 Besucher ihr Unwesen trieben, wohlgemerkt nicht in Form von Hits oder dergleichen, sondern die viel wichtigere Kennzahl – unique User (also einmalige IP pro Tag) mit einer Verweildauer von mindestens (!) 15 Sekunden. Alles darunter ist meiner Meinung nach bei einem textlastigen Blog von keiner Relevanz und reine Beschönigung. Hits und Co. sind schön und nett, wenn es aber um echte, inhaltliche Reichweite geht, dann zählt der direkte User. Für einen sehr kleinen, privaten Blog ist das heutzutage durchaus sehr ok.

Die Meisten der User kamen noch dazu direkt über gezielte Suchbegriffe auch zu den jeweils passenden Beiträgen, treue und regelmäßige Stammleser als solches gab es allerdings vielleicht maximal zu 40%, der Rest waren suchende User aus der Netzmasse. Auch recht ok. Mit gezielteren Themen und mehr Schwerpunkten wäre da auch mehr drinnen gewesen, allerdings steigt damit auch der zeitliche Aufwand natürlich.

Jedoch hat mich eine Monetarisierung des Blogs nie interessiert, denn ich entfolge regelmäßig Blogs mit Paid-Content. Allerdings – und das ist mir wichtig… nicht weil sie damit Geld verdienen, sondern weil zu 98% recht unreflektiert geschrieben wird. Trotz Bezahlung nämlich negative Aussagen zu treffen oder auch gerechtfertigte Kritik zu äußern – der Knackpunkt bei dem Ganzen – ist absolute Mangelware da draußen in der sogenannten Blogosphäre. Paid-Content kann man mit Schön-red-Content gleichsetzen… und hier ist meiner Meinung nach noch viel zu tun in der Mentalität der Blogger und auch PR-Stellen.

Aber wer macht das schon? Schließlich gräbt man da an seiner eigenen Substanz und am Ranking in den Presseverteilern – deshalb findet man nur wenige Mutige, die auch bewusst mal sachlich agieren und nicht nur Pressetexte kopieren oder einen Wohlfühlbeitrag schreiben, sondern griffige Punkte anführen und „fordernd“ sind. Ich selber würde eher jemanden etwas zahlen, der mir ehrliche Kritik auf den Tisch legt, mit der ich etwas anfangen kann, als einen kleinen Schleimscheißer Hab-Dich-lieb-Fluffi, der mir bestätigt, was ich sowieso weiß: bist super. *andieserstellebitteherzhaftüberdengelungenenwitzlachendanke*

Wie seht ihr das? Habt ihr schon mal ausgerechnet, was Euer Online-Hobby für die humanoide Userschaft da draußen denn eigentlich so kostet? Hochgerechnet auf Anschaffungskoste, der Gebrauchsdauer und der Trennung von Eigenbedarf und Co.?

NACHTRAG
Die Berechnung steht für MEINEN KLEINEN, sehr privaten Blog als Information für Interessierte und steht jedoch NICHT im Kostenvergleich oder als Kostenvoranschlag für Mels Blog und nein, ich habe nichts dagegen, wenn jemand mit seinem Blog Geld verdient, das bleibt jedem selber überlassen. Irgendwie wird das etwas falsch gelesen (oder zu schnell drüber), Kinder! 😉

2015/02/09

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