# Honigtropfen

Herzschlag

Zwei Uhr in der Früh. Schaben an der Türe. Komm, geh doch schlafen! Leg Dich her… Drei Uhr in der Früh. Kratzen an der Türe. Jetzt komm doch wieder her… es ist noch mitten in der Nacht! Wo ist das Problem? Vier Uhr. Sprung, Dunkelheit, Schmerz, Krallen, Sprung. Magst Dich nicht herlegen, mh? Fünf Uhr.

Entnervt die Türe aufreißen, raus mit Euch. Türe zumachen, weiterschlafen. Ein Krachen, ein Herzschlag, ein Schaben von Krallen am Fliesenboden, das Wetzen von durchdrehenden Reifen Pfoten, Sprünge und Rufe des Glücks.

Entgeistert im blendenden Glühbirnenlicht und mit schmalen Augen auf ein Massaker blicken. Zwei Topfpflanzen im Badezimmer. Abgeräumt, umgeworfen, verschleppt, verteilt. Die Masse des Inhaltes verdreifacht. Staub, Erde, Wurzeln, Blätter überall. Glückliche Katze. Frust, weg mit Euch! Was soll das? Noch mehr Glücksaugen. Langsame Erkenntnis von einem Problem mit mir. Geduckter Schleichgang unters Sofa. Trotzdem Glück.

Still dastehend, seufzen, die Augenringe im Spiegel betrachten, sich unglaublich müde und tot fühlend Erde von der Fußsohle streifen. Aufkehren, aufbauen, umsetzen. Keuchen, schwitzen. Trinken.

Bewegungslos am Laptop sitzen. Ein Blick ins Forum. Alles tot. Wie immer. Andere Blogs lesen. Nichts Neues. Politik, Feminismus, Maskulinismus, Integration und Destabilisierung, StartUps und Konzept-Denken, kritische Worte ohne Reflexion. Fragen der Ahnungslosigkeit. Selbstvermarktung. Egoismus. Weiterklicken.

Nachrichten. Tod, Gewalt, Wirtschaft, Tod, Wirtschaft, Politik, Wirtschaft, Gewalt. Unzertrennlich. Emails abrufen. Keine neuen Nachrichten. Auch gut. Das ist wie keine Post. Keine Post ist gute Post. Blick auf ein Teenage Mutant Ninja Hero Turtle Skateboard mit Leuchtreifen werfen. Angelehnt an die Wand. Gewonnen. Mit 34 Jahren. Naivität der Dummen.

Ein Joghurt essen, eine Vitamintablette aus europäischer Überheblichkeit, einen Duplo-Schokoriegel zur Kompensation nachschieben. Ein Blick zum TV. Kabelgewirr, Elektronik, die herumhängt, Spuren der nächtlichen Bastelei. Der Blick schweift weiter. Eine ToDo-Liste. Texte fertig machen, übertragen, weiterleiten, das andere Gerät holen, aktivieren, Lustlosigkeit, also verschieben. Der Blick geht weiter.

Wolkenfetzen, die in der Sonne aufleuchten, blauer Himmel. Fast acht Uhr schon. Müdigkeit unverändert, noch immer Erde an den Füßen. Fellkugeln glücklich und entspannt. Welches Gedächtnis? Welche Pflanze? Man lebt im Augenblick, nicht in der Vergangenheit. Auch nicht in der Zukunft. Jetzt und hier. Glücklich sein. Katze schnurrt bestätigend.

Genervt aufstehen und diese Zeilen tippen. Abermals Frage der Sinnhaftigkeit. Blogs sind tot und lebendiger denn je. Auf Youtube läuft zufällig Dirty Dancing. Kitschig. Unmännlich. Aber Stimmung. An die Zeit der Jugend. Neugierde, Zukunft. Das Gefühl vom Sommerregen und Ferien. Kein Internet. Aufgeregte Herzschläge. Mit den Fingern durch Haare des Gegenübers fahren. Regentropfen.

Aber jetzt anziehen und in die Stadt fahren. Eine Schachtel suchen. Oder eine Kiste. Oder dergleichen. Erinnerung an Tamagotchis. Die haben keine Topfpflanzen umgeworfen. Ein Retro-Bastelprojekt am Wochenende. Zwecks Kindheits-Feeling der 90er-Zeit. Es wird Holz geschliffen. Lackiert.

Deshalb muss ich nun los.

Aber wo ist der Geruch des morgendlichen Sommers? Der eigenen Unbekümmertheit? Hungry Eyes. Schön geblieben.

Dirty Dancing-Hungry Eyes

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2015/01/31

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