Das Wiki-Leben

Das ist eigentlich nur eine kurze Notiz, aber ich bemerke durch den „neuen“ Alltag in meinem Leben eben gewisse zeitliche Einschränkungen, wie man auch sicherlich am Blog und Forum und so weiter merkt… soll heißen, es fehlt da nun einfach die Zeit und Energie dazu. Aber still bleibt es dennoch nicht, stattdessen will ich mich mehr in das „neue“ Wiki zurückziehen, auch wenn das jetzt eigentlich das falsche Wort ist, denn es ist eigentlich viel eher eine Befreiung und bietet mehr an Spielraum für mich.

1872,_Church,_Frederic_Edwin,_Passing_Shower_in_the_Tropics

Vor vielen, vielen Jahren bin ich ja über die Seiten von zum Beispiel unter anderem Markus, Marc und Anderen gestoßen, die ein bisschen so am Rande des Netzes ihr eigene Seite befüllen und bunt gemischt diverse Sachen online stellen oder stellten. Rudimentär, einfach und sehr unkompliziert – ganz ohne Marketing, Portfolio-Kram, durchdachten Formulierungen oder Kommerz im Hintergrund. Die Seiten wirken unscheinbar, aber folgt man dem einen oder anderen Link in den Texten, verliert man sich plötzlich in Dutzenden noch weiteren Einträgen, zusätzlichen Links und noch mehr Seiten und man entdeckt Stück für Stück oftmals ein unglaubliches Sammelsurium an Erzählungen, Geschichten, Projekten, Ideen oder kleinen Notizen aus dem normalen Alltag eines Menschen. Ohne besondere Hierachie oder Hintergrund und kaum aufbereitet für die Masse und meistens nur mit wenigen Besuchern oder einer sonstigen Anbindung an die Hyper-Welt.

Und ich mag so etwas sehr. Immer schon und viel mehr, als die glatten Portfolios oder Profiling-Blogs. Das sind Dinge und Einträge, die ich gerne lese, die tun nicht weh, die fordern nicht und verkaufen nichts, es ist manchmal nett oder lustig geschrieben und man weiß, da liest wohl nur selten jemand drüber. Halt sympathisch und „unbemüht“. Ausgelebt.

Es erinnert mich immer irgendwie an ein Haus oder an eine Hütte in einer schönen, unberührten Landschaft, die noch voller unverfälschter Natur ist, in der man noch frei Atmen kann und die ständig neue Entdeckungen bietet. Man klopft nach einer zufälligen Wanderschaft an, tritt ein und dann erforscht man in den nächsten Wochen und Monaten und mehr langsam und in Ruhe immer mehr von dieser Welt, kennt sich dann langsam auch in dem oder anderen Winkel aus und freut sich über jeden weiteren Schritt. Ähnlich wie eine gute Buch-Serie, wo man in jedem Band neue Erlebnisse erfährt, aber dennoch schon weiß, woran man ist und sich damit Stück für Stück erfreut weiter in diese Welt tastet.

Solche Seiten sind oft auch nach Jahren noch für den Autor selber informativ und lesenswert. Ähnlich wie ein altes Fotoalbum aus den Kindertagen, wo man sich dann auf jeder Seite wieder Stückchenweise an diese oder jene Begebenheiten der damaligen Zeit erinnert. Vielleicht auch eines Tages für meine kleine Schwester, falls sie mal darüber stolpert.

Daraufhin steuere ich nun eh schon die letzten Jahre mehr und mehr zu, kürze meine Seiten und „kompaktisiere“ Vieles, investiere nicht mehr ganz so viel Zeit und glücklicherweise ist es mir mittlerweile auch völlig egal geworden, ob man mich im Netz findet oder nicht. Schlicht und ergreifend auch deswegen, weil es beruflich nun einfach keine Rolle mehr spielt… in der IT-Branche bin ich nicht mehr und auch sonst kann ich aus meinen Texten oder Blog irgendwie nicht mehr wirklich einen Gewinn schlagen. Speziell für den aktuellen Beruf gibt es hier keinen Mehrwert oder Hintergrund, der damit bedient werden kann und es interessiert dort auch niemanden oder schenkt einen Bonus. Es gibt sozusagen keinen Wirkungskreis mehr, der befüttert werden müsste – im Gegensatz zu früher.

Und das befreit enorm, wie ich vor allem die letzten Wochen gemerkt habe. Es ist einfach egal geworden, weil es mittlerweile keine direkten Auswirkungen mehr auf mein Leben hat und auch generell möchte ich nichts mehr beweisen müssen. Ich für mich weiß, was ich online kann und das reicht mir, das muss ich nicht noch extra bestätigen, in dem ich mich weiter auf Twitter, Instagram, Facebook und so weiter herumtreibe und dabei Herzchen mit durchdachten Einträgen oder Bildern sammle.

Langfristig wird es vermutlich so enden, dass es nur mehr diesen Blog hier und das Wiki drüben gibt, wo ich Alltags-Dinge sammeln möchte. Das spüre ich. Und ich freue mich darauf, nur muss ich erst lernen, mich selber davon zu lösen. Das ist das eigentliche Hauptproblem… ich selber bin das Hindernis dabei und verliere mich bei vollem Bewusstsein gerne in vielen Online-Projekten.

Wie auch immer… das Gemälde da oben reizt mich sehr und es zeigt die Richtung, auf die ich online steuere. Mein kleines Wiki-Häuschen in einer ruhigen, unberührten Landschaft. Da kann ich rumackern, basteln, werken und in den blauen Himmel schauen – und wenn jemand vorbeistapft, dann bekommt er eine gute Tasse Tee und man setzt sich in Ruhe in den Garten und genießt die Entspannung.

Klingt völlig übertrieben beschrieben und extrem kitschig, aber ich meine das wirklich so. Das sind tatsächlich Dinge, mit denen ich mich so im Alltag gerne beschäftige und die mir Freude schenken. Auch wenn das Viele nicht nachvollziehen können oder gar keinen Bezug dazu haben.

Aber für Jemanden, der seine Zukunft ursprünglich im Netz viele Jahre lang – fast zwei Jahrzehnte bald – aufgebaut hatte, unzählige Aufgaben, Projekte oder eben auch Berufe unter anderem durch seine Webseiten mitgestaltet oder gar dadurch erst überhaupt ermöglicht wurden und anhand derer ich auch wieder weitergereicht worden bin, ist das schon eine markante Veränderung. Fühlt sich aber durchaus gut an.

Gemälde: Frederic Edwin Church (Princeton University Art Museum) [Public domain], via Wikimedia Commons