Erde. Wind. Das Nichts.

Immerhin geht ja ein wenig Wind gerade. Ein wenig Kühlheit, die die verschwitzte Haut ummantelt und zugleich aber wieder durch jede Bewegung zunichte gemacht wird. Fordern – muss ich zugegeben. Die letzten Tage erneut bei durchschnittlichen 30+ Grad in der Nacht im Bett gelegen, die Schweißtropfen gezählt und den dicken Nachtfalter beäugt, der seit 4 Tagen mein Zimmer belegt und jedes Mal erneut irgendwo unauffindbar beim Fensterspalt, in der Deckenlampe oder hinter bzw. unter dem Bett verschwindet, sobald ich mich auch nur ansatzweise bewege.

Kraft der Erde

Ich gehe mal davon aus, dass er nichts Böses im Schilde führt, wenn er jedoch auch ein wenig leiser flattern könnte, wäre uns allen geholfen. Erholung ist wichtig und notwendig, speziell in Zeiten, wo man der kleinen Fellkugel mit dem Miau-Feature ein neues Insulin in die Haut presst und der Vorgang durch andere, kürzere Nadeln erschwert wird. Ein Blindflug, der bei jeder Gabe zu einer kleinen Berg-Besteigung ausartet. Warum zum Teufel sind die denn auch so kurz? Die Anderen waren da besser, genauer und einfacher… aber gut.

Zum Wohle des Haustieres.

Sowieso absurd alles. Haustier. Die Perversion des Menschen zur eigenen Befriedigung von Zuneigung, Besitz, Verantwortung und des Miteinander. Als ich im Zuge der Analysen und Besorgungen der Gerätschaften und Injektionsnadeln nebenbei durch die Regale eines Fachmarktes für Tiernahrung spazierte und sich dabei vor mir hunderte Farbexplosionen an Marken und Formen eröffneten, während zugleich im Netz am Smartphone das Wort „Barfen“ wieder eine weitere Renaissance erlebt – mit all den ebenso bunten und unterschiedlichen Diskussionen, Streits und 30-Jahren-Erfahrungen – da kam in mir erneut dieses Gefühl von „Was zum Teufel machen wir eigentlich alle da? Was ist bloß passiert?“

Unbeantwortet.

Erde

Ein paar Tage später saß ich auf einem Plateau in weiter Landschaft, eine kleine Kapelle neben mir, eine gewaltige Gottheit, die aus einer Schlucht aufstieg und auf dessen Daumen ich sitzen könnte – und am Himmel acht Störche, die in einem Kollektiv nach passenden Futtergründen suchten, schwebten, kreisten, sich auflösten und schwerfällig und dennoch grazil sich wieder erneut zu einer gemeinsamen Form am blauen Himmel fanden. Wunderschön.

Daneben das Zirpen der Grillen, ein Schmetterling, der gekonnt auf dem Fuß balancierte und in der Hand ein Fruchtsaft, Morgensonne, die über die Arme streicht – und irgendwie ist man einfach glücklich. Es braucht wirklich wenig.

Wenig ist auch ein gutes Stichwort, denn ich habe – so wie immer und nichts Neues – das Zoologie-Projekt ein wenig überarbeitet.

Oder sagen wir besser: Reduziert. Minimalisiert. Vereinfacht. Das zuerst eingesetzte System musste ich leider nach einigen Tagen und mit sehr viel an Frust aufgrund diverser Server-Fehler wieder einstampfen, da es doch bereits völlig veraltet war und die Entwickler nicht mehr aktiv sind – also war ein System-Wechsel angesagt und im Zuge dessen habe ich mir erneut überlegt, was ich eigentlich will? Und was man benötigt dazu?

Nicht zum ersten Mal schlüpfte das Fazit aus dem Kokon der zerbrechlichen Erinnerungen, dass der Inhalt und die Funktion zählt. Wenige Klicks, schnell zum Inhalt und schnelle Ladezeiten. Ob man es wahr haben will oder nicht als visuell veranlagter Mensch – in Wirklichkeit ist das der heilige Gral. Speziell bei Etwas, das nichts Anderes ist, als eine Datenbank.

Das Ergebnis dieser Substraktion ist somit die völlig (erneute) Reduzierung von Style und Layout hin zur Urform der digitalen Ära, den ersten Tagen der vernetzten Informationen. Und was soll man sagen? Es funktioniert (Klick). Gut sogar. Ich bin zufrieden.

Ganz unglücklich macht mich jedoch meine Handvoll an Kakteen. Die gehen gerade mit irgendeiner Erkrankung der Reihe nach ein. Trotz Pflege und viel Liebe. Interessant, dass es ausgerechnet bei dieser minimalen Form der künstlichen Natur in der eigenen Wohnung nicht klappt – der komplexe, selbstgezogene Avocado-Baum im dunklen Wohnzimmer-Eck hingegen trotzt weiterhin allen Widrigkeiten. Und Katzenkrallen.

Das Leben ist komplex, der Mensch eigentlich sehr einfach.

Nachtrag: um immer genügend News für die Plattform zu haben, grase ich mit technischen Hilfsmitteln unzählige News-Seiten in Österreich, Deutschland und der Schweiz ab. Dabei zeigt sich, wie erschreckend eigentlich die Medien-Landschaft ist. Nachrichten, die uns auf den großen Seiten heute als neu und als aktuelles Tagesgeschehen verkauft werden, mit Leitartikeln, Meinungen und großen Teasern, tauchten auf kleineren Seiten oft schon Tage und Wochen oder gar auch Jahre zuvor auf. Man merkt es erst bei genaueren, automatisierten Vergleichen und in einem großen Maßstab wie extrem verzerrt unsere Welt von Politik, Wirtschaft, Chronik und Wissen und ihre Tagesrelevanz eigentlich ist. Das macht fast Angst. Und stärkt die Skepsis gegenüber dem großen Journalismus der Leitblätter.