Das Shlongboard

Falls jemand ein etwas größeres Gehirnvolumen als ich besitze, dann kann sich der geneigte Leser vielleicht noch an frühere Blogtage erinnern, als ich mal mein Longboard, das ich mir voriges Jahr besorgt hatte, hier mit ein paar Fotos präsentierte. Ein langer Cruiser von Globe, mit der klassischen Retro-Form sowie dezenten und hellen Pastellfarben. Feines Teil.

Shlongboard

So fein, dass ich genau dreimal damit seitdem gefahren bin. Warum, weiß ich auch nicht so genau – aber die größte Hemmschwelle war und ist tatsächlich die Größe. Longboards sind größer als Skateboards und vor allem mit der klassischen Finnen-Form ist das Teil tatsächlich so lange, dass ich es mit meinem 177~ Zentimetern nicht einfach senkrecht und locker in der Hand halten oder tragen kann, da es dabei ständig am Boden schleift.

Ganz im Gegenteil sogar, ich muss es richtig hoch halten, sonst knallt man bei jedem Schritt äußerst wuchtig mit der Heckflosse auf den Asphalt und lässt Holz splittern und macht unglaublichen Lärm. Oder man trägt es zwischen den Armen einklemmt der längs nach… nur wer damit schon mal in der dichten Öffentlichkeit unterwegs war oder gar in Geschäften, der weiß, dass das äußerst mühsam ist. Da räumt man schnell eine Pensionistengruppe oder ganze Regale ab.

Und der zweite Grund – man lernt ja immer erst in der Praxis und im Alltag – ist, dass die Länge zum Lenken und Steuern auf unseren heimischen Wegen etwas mühsam ist. Ich bin natürlich auch zuwenig geübt, um damit Menschengruppen einfach mal eben zu umkurven oder alle 20 Meter zweifache Gehsteigkanten inklusive Schienen und Kopfsteinpflaster ohne schweren Sturz zu überspringen… und auch das Brett mit dem Fuß einfach so hin und herwerfen und schieben, gelingt mir mit dem Teil auch nicht wirklich.

Aber nun gut, das Leben besteht ja – zumindest bei mir – immer aus sehr viel Improvisation und alternativen Wegen und so stolperte ich passend im wahrsten Sinne des Wortes mehrfach in den letzten Tagen beim Aufräumen über ein Kinderskateboard, das mich schon seit dem Besitz (mal gewonnen) ziemlich nervt. Ein billiges Brett mit quietschbunten, leuchtenden Plastikrollen, einem giftgrünen Teenage Mutant Ninja Turtles Aufdruck und einem Aufkleber, der darauf hinweist, dass dieses Spielzeug nicht für Kinder unter 5 Jahren ist.

Also stehen ein kleines Kinderbrett, das wegen der billigen Achsen nicht vernünftig fahrbar und eher für’s Wohnzimmer gedacht ist und ein großes Brett für das Cruisen entlang langer, glatter Asphalt-Strecken in Miami Beach, aber eben nicht im holprigen Kurzstrecken-Ösiland, zur Verfügung.

Shlongboard

Deshalb landete kurz und bündig eine Bohrmaschine in meinen Händen und schon waren vier neue Löcher hinten am Kicktail des billigen Skateboards gebohrt und die Achsen vom Longboard wurden festgeschraubt. Der Grund: ein Longboard läuft auch deswegen so geschmeidig, weil der Radstand größer ist… das erleichtert das Schlucken von Unebenheiten, verstärkt die Standsicherheit sowie die Beweglichkeit für den Fahrer und generell rollt es sich besser – und das will ich beibehalten.

Es wirkt zwar ein wenig seltsam, auch ist das Brett nun leicht vorne angehoben und einen Schönheitspreis wird es auch nicht gewinnen – aber es war eine äußerst gute Entscheidung. Das Teil fährt sich nämlich besser als Alles, was ich ansonsten je bisher mit Rollen unter meinen Füßen hatte. Schon auf dem ersten Meter im Wohnzimmer habe ich mich augenblicklich und fast schlagartig wohl gefühlt, am nächsten Tag dann auf der holprigen Straße mit eher groben Asphalt nicht nur das, sondern auch vor allem sicher und vertraut.

Ein paar Wackler am Anfang, ein wenig psychische Unsicherheit und die natürliche Angst vor dem harten Boden und jedem Reiskorn, dass irgendwo eine Rolle blockieren könnte… aber dann ging es und sofort war dieses „Flow“-Gefühl vorhanden, dass ich bisher bei allen Longboards und Skateboards jedesmal vermisst hatte und ein Mitgrund war, warum ich nie ganz damit warm geworden bin. Es fehlte einfach dieses entspannte und natürliche Gefühl, dass das Brett unter den Füßen auch zu einem gehört und vor allem das tut, was man auch will… ohne Eigenleben und Dynamik, die einem plötzlich in den Graben daneben führt.

Shlongboard

Das sogenannte Shlongboard (ja, diese Eigenbau-Dinger heißen übrigens tatsächlich so) rollt wie eine Eins und dadurch, dass der Radstand verlängert ist und die Befestigung am hinteren Kicktail erfolgt, federt das billige Holzbrett auch recht weich und besser als zuvor (der sogenannte Flex, fast ein wenig zuviel sogar, deswegen heißt es aufpassen natürlich) und es lässt sich überraschend gut lenken.

Und schlussendlich habe ich mich auch deswegen bereits umgehend in das Teil verliebt, weil die Länge jetzt genau so ist, dass man es bequem und locker an einer Achse haltend neben sich her tragen kann, ohne ständig am Boden zu schleifen oder sich einen Muskelkater zu holen, auch lässt es sich leicht zwischen Rücken und Rucksack einhängen mit einer Schnalle und ist damit um ein vielfaches portabler. Und das Gewicht ist natürlich auch deutlich geringer und macht das Ganze wesentlich handlicher. Unauffälliger ist es ebenso irgendwie und im Auto ist es auch leichter zu verstauen.

Sollte jemand ebenfalls einen fahrbaren Halb-Cruiser-Untersatz suchen, dann empfehle ich glatt eher so eine Lösung. Ein billiges Skateboard um ~15 Euro kaufen und dann Longboard-Achsen und Räder bzw. ein Set und man ist schon mit 60+ Euro dabei. Und wird es vermutlich wesentlich öfter im Alltag verwenden und eher wo mitnehmen, als die großen, fetten Teile…

Mmmh, ein kleiner Honigtropfen mit Glücksgeschmack in der grauen Alltagssuppe – ohne viel Aufwand. Nicht sehr ergiebig zum Lesen und so für Euch, ist mir natürlich bewusst – aber ich weiß nicht, was ich sonst zur Zeit schreiben soll. Nervt mich selber auch ein wenig. Tja.

Den grünen Unterboden des Brettes werde ich übrigens bei Gelegenheit mit grauem oder schwarzen Spray noch etwas dezenter gestalten – oder ich zeichne mir was eigenes und beklebe es mittels bedruckter Klebefolie. Da könnte ich alternativ auch glatt endlich mal wieder meine alten Zeichnungen wieder rauskramen und drucktauglich machen…

Layouts