Das gescheiterte Telefon

Weil ich gerade mal wieder einen Krimi oder besser gesagt Thriller gesehen habe – natürlich mit dem immer gleichen Spiel… Bösewicht entführt Jemanden oder versteckt eine Bombe, es gibt Anrufe und das übliche Psychospiel zwischen allen Beteiligten. Und natürlich gewinnt das Gute und alle Anweisungen wurden ausgeführt und zugleich hat man den bösen Typen dabei ausgetrickst.

Gut. So weit so gut. Ich denke, fast jeder von uns kennt diese Filme, ist auch mit der Art und Weise der Klischees vertraut. Und jetzt folgt allerdings eine Auflistung, warum ich keinem Bösewicht, Terrorist, Attentäter oder Psycho-Heini empfehlen würde, so etwas mit mir zu probieren.

Situation 1
Das Telefon an der Straßenecke läutet, ich stehe zufällig daneben.
Keine Chance, denn ich hebe prinzipiell nicht ab, schon gar nicht bei einer Telefonzelle – genau aus dem Grund, weil es mich ja betreffen könnte. Sowas stresst, nein danke.

Situation 2
Ich muss abheben, weil es vorher verlangt wurde. Der Anrufer teilt mir mit, er hat wen auch immer entführt, ich soll zu der Straße XY mit der Nummer 63 fahren und bei der Telefonzelle dann die Nummer 62186493 6386 anrufen.
Der Arme. Ich würde im selben Moment, wo er das zu mir sagt, die ersten zehn Stellen der Telefonnummer vergessen, eine Minute später verwechsle ich den Rest mit der Hausnummer und zudem wäre ich äußerst unsicher, ob die Straße XY oder YX heißt und ob es nicht eine Ähnliche in einem anderen Bezirk gibt…?

Situation 3
Der Anrufer teilt mir mit, ich sollte als Aufgabe ein Textbeispiel lösen. Der Vater und seine Tochter, die den 18. Geburtstag feiert, fahren 45 Kilometer zu der Mutter, die halb so alt ist, wie der Großvater, der auf einem Drittel der Wegstrecke lebt und blabla…
Ganz große Katastrophe. So wie in der Schulzeit würde ich die Angabe auf einem Zettel schreiben, sofern nicht alles vergessen, aber das war es auch wieder. Aus Prüfungsangst und fehlender Antwort würde ich zudem nicht mehr abheben.

Situation 4
Der Anrufer teilt mir mit, dass in der Telefonzelle eine Bombe versteckt ist und sobald ich auflege, explodiert sie.
Schlechte Idee. Erstens kaufe ich ihm das nicht ab, wir sind in Wien, zweitens provoziere ich dann gerne und gehe erst recht raus und wenn es doch stimmt… naja, dann endet das Leben mit einem schnellen, unkomplizierten und lauten Knall und das Ganze recht spektakulär. Wem passiert schon sowas? #mitleid-erhasch

Situation 5
Der Anrufer teilt mir mit, dass mich ein Scharfschütze im Visier hat und ich ab nun den Aufgaben Folge leisten muss.
Ich würde mich einfach umfallen lassen und nicht mehr rühren. Ende des Thrillers vor der ersten Werbepause.

Situation 6
Im Fahrzeug ist eine Bombe versteckt, ich muss weiter beschleunigen und dann bei über 50 km/h bleiben, sonst fliegt alles in die Luft.
In dem Moment, wo er mir das sagt, verkuppel ich mich, lege statt dem dritten Gang den Ersten ein und würge den Motor ab, reiße dem Nachbar-Auto den Spiegel ab und mir rutscht hinten einer rein. Mitsamt großem Knall.

Situation 7
Ich muss innerhalb von 10 Minuten von einer Telefonzelle zur Nächsten kommen, ansonsten sterben alle meine Freunde.
Ich bin prinzipiell immer zu früh bei Terminen und nie zu spät, so gesehen müsste ich 5 Minuten lang dann bei der Nächsten warten – mit dem rechnet er sicher nicht, Konzept verhaut, weil er jetzt Stress aufreißt.

Situation 8
Ein Anruf und ich muss die soeben aktivierte Bombe selber entschärfen, sonst war es das.
Ich würde mich hinsetzen und warten, bis es vorbei ist. Denn würde ich selber Eine bauen, dann würde ich so viele Fallen einbauen, dass ein grünes Kabel durchschneiden, die Zündkapsel aus dem Sprengstoff ziehen oder den Code 007 eingeben, definitiv nicht ausreichen würde. Das würde ich also somit als gegeben auch in dem Fall annehmen und es deswegen gleich bleiben lassen.

Situation 9
Der Typ hat jemanden aus meinem Umkreis im Würgegriff, eine Pistole an der Schläfe von der hilflosen Person und fordert mich auf, mich zu ergeben.
Ich würde mich langsam nackt ausziehen und dann einfach schlagartig grotesk umfallen, laut wimmern und mich nicht mehr rühren. Was will er jetzt machen?

Situation 10
Ein Terrorist versucht mich zu entführen und dringt in meine Wohnung ein, will mich entführen. Ich bemerke das jedoch.
Ich schreie gellend und laufe nackt mit Ketchup bespritzt aus dem Nichts auf ihn zu, klammere mich an ihn und flüstere luftlos in sein Ohr „Sie haben sie aufgegessen!“.

Situation 11
Ein Psychopath informiert mich, dass er in einer Zeitung Annoncen hinterlassen hat und ich nach seinen Spuren Ausschau halten soll.
Ganz schlecht… ich würde nach 10 Minuten Suchen und den ersten drei Hinweisen mir denken „Bitte, jetzt wird’s lächerlich, außerdem finde ich da sonst nichts mehr“, auf den Anruf warten und sagen, dass da zwar was steht, aber die Zeitung leider einen Druckfehler hat… man kann nichts erkennen, es ist alles verwischt, was jetzt?

Situation 12
Ich sitze auf einer Parkbank und ein Typ mit schwarzem Mantel redet mich an, ganz dezent und will mir Geheimnisse zuflüstern und möchte, dass ich….
„Tut mir leid, kein Geld dabei“. Und stehe auf und gehe. Da könnt ja jeder kommen, außerdem nerven diese in das Gespräch-verwickeln-hast-Du-Geld-Blablas.

Situation 13
Ich sitze beim Fenster und ein Zettel mit Stein fliegt hinein. Vermutlich mit einer Botschaft.
Blöd, denn ich schmeiße es automatisch in den Mistkübel, mache das Fenster zu und gehe die nächsten Tage nicht mehr in die Nähe wegen der bösen Kinder, die so einen Müll rein werfen.

Situation 14
Ich sitze zuhause und das Handy läutet. Da ich bei unbekannten Nummern sowieso nicht abhebe, probiert er es nach drei Tagen mit einer von jemanden, den ich kenne. Ich hebe doch dann ab irgendwann und er beginnt mit verstellter Stimme mir….
„Tut mir leid, keine Zeit“ und lege auf. Ich hasse solche Anrufe vom Handy- oder Internet-Anbieter bzw. Telefonumfragen.

Situation 15
Ich komme heim, eine Blutspur bei der Türe, Wohnungstüre aufgebrochen, alles liegt drinnen herum. Ich gehe hinein.
Und drehe das Licht auf.
Damit sprenge ich alle Filmklischees, denn alle gehen immer in die dunkle Wohnung hinein.

Situation 16
Ich sitze vor dem TV, ein Klirren, ein Schnalzer und im Fenster ist ein kleines Loch zu sehen. Ich werde beschossen.
Es wird für alle mühsam und langwierig. Ich habe nämlich kein Problem, tagelang von Bountys zu leben, die neben dem Tisch liegen, und dabei unter den Fenstern versteckt liegen zu bleiben. Eine Raspberry Pi zum rumspielen liegt auch in der Nähe, Wasser sogar auch, ich halte länger durch – sorry.

Situation 17
Ein Psychopath springt ins Auto und schreit mich an, dass ich Gas geben soll, weg von der Polizei, los, los, mache ich Blödsinn, schneidet er mir die Kehle durch.
Nachdem dreimal der Motor abgestorben ist, fahren wir auf der Autobahn und ich donnere nach einem Tritt ins Gaspedal mit seiner Beifahrerhälfte mit voller Wucht in das Heck eines LKWs. Habe ich nämlich mal in einem Action-Film gesehen – da hat das geklappt, außerdem nervt sowas und dann werde ich rabiat, depressiv, müde und ein Ungustl sowie hektisch.

Situation 18
Ich werde entführt und muss stundenlang mit dem Typen durch den Wald hatschen.
Nach 20 Minuten ohne Schokolade kollabiere ich an einem Kreislaufkollaps und falle tief hinein in die Brennnesseln – und das war’s dann.

Situation 19
Der Psychopath filmt mich, ich bin gefesselt und soll seine Botschaft vorlesen, die er mir auf einem Papierstück hinlegt.
Ich werde vor der Kameralinse immer furchtbar nervös, meine Mundwinkel würden zucken und ich würde somit mit schweißgebadeter Stirn und einem grotesken Grinsen seine Botschaft vorlesen – jeder würde die Botschaft als Fake ansehen und einfach ignorieren.

Situation 20
Der Psychopath ist am Ende des Flurs und lärmt rum, damit ich ihm tief in den Gebäudekomplex nachfolge.
Sicher nicht, das könnte mich ja betreffen und dann dauerts länger, bis ich heimkomme und dann heißt es noch womöglich, dass man was angestellt hat und dann löst man versehentlich den Feueralarm oder einen Bewegungsmelder aus… nix da, sicher nicht. Smartphone auspacken und Youtube schauen und so tun, als würde man nichts merken, irgendwann wie zufällig dann einfach heimgehen.

Situation 21
Ich beziehe ein Hotelzimmer und der Psychobesitzer filmt mich wochenlang.
Nein, als Computer-Nerd und IT-Paranoider überprüfe ich immer jeden Sichtwinkel auf Mini-Kameras, Lochkameras und so weiter und schaue sogar hinter den Spiegeln, bei den Lampen, Fenstersims, Deckenleuchten, Luftschächten, usw… nach. Ernsthaft, ich mache das wirklich – wisst ihr wie viele Porno-Seiten es mit abgefilmten Zimmern bzw. Badezimmern im Netz gibt? Unzählbar, 4chan lässt grüßen. Außerdem sind Hotels eh nicht in meinem Budget, er müsste mich am Campingplatz besuchen.

Wenn wir uns also ehrlich sind… James Bond kann ich vergessen, ich würde es nicht mal zum Tatort schaffen. 🙁