Fettnäpfchen

Ich hatte es mir ja im Vorfeld schon gedacht, aber man will es ja manchmal nicht so sehen… Eigentlich wusste ich, dass der vorherige Text über mich diverse Reaktionen hervorbringt und das hat er auch die letzten zwei-drei Tage mehrfach getan. Und ich lerne jedes Mal dazu.

Einerseits werden meine Texte häufig quasi „depressiv“ gelesen oder verstanden – nur so sind sie nicht gemeint. Es ist für mich eine lockere Ironie, die nie ganz ernst im Sinne von Stimmung zu verstehen ist. Ernst inhaltlich ja, jeder von uns ist ständig im Reifen und Wachsen und auch jeder hat andere Probleme oder Vorhaben im Leben. Vielleicht bin ich da nicht so weit wie andere Menschen, vielleicht verstehen andere die Problematiken nicht mal ansatzweise, weil sie das so nicht kennen, es kann auch durchaus sein, dass manche Dinge äußerst lächerlich erscheinen – nur das ist auch ok so.

Jeder von uns hat andere Fußstapfen, eine andere Umwelt, eine andere Kindheit, eine andere Vorstellung des Lebens und Jeder und auch Jede verfolgen unterschiedliche Ziele – die zwar in Summe dann doch alle recht gleich sind, weil man ja Mensch ist, aber individuell gesehen sich manchmal als sehr unterschiedlich präsentieren.

Es ist nicht nur eine Farbe
Wer mich verstehen will oder möchte, dem muss klar sein, dass ich zwar durchaus oft den schwarzen Pinsel immer wieder auf der gleichen Leinwand schwinge und immer wieder neue Tropfen auf der bereits angemalten Fläche hinterlasse – aber für mich und in mir drinnen ist das nichts anderes, als eine Art von Wachsschicht, die ein buntes Bild überdeckt und schützt. Ein Bild, das ich jedoch kenne, jeden einzelnen Strich davon, jede Farbe – da ich es auch selbst gezeichnet habe – und somit brauche ich es nicht direkt ständig sehen, denn es ist ja sowieso in mir drinnen.

Wenn ich hier mal über Selbstzweifel, Zukunft und immer gleiche Vorhaben schreibe, die für andere nur den halben Teller Suppe der Tatsachen verkörpert, dann wird das auch gleich und oftmals 1:1 umgemünzt auch als mein Inneres angesehen. Aber das stimmt nicht. Eben nur zur Hälfte.

Ich bin ein Mensch, der eigentlich sehr viel lacht, sehr viele Momente der kleinen, ganz persönlichen Freuden in sich trägt und generell ganz bewusst versucht, die Welt in Comic-Strips zu sehen… das mag man mir nicht immer ansehen und auch nicht jedes Mal aus den Texten erlesen können, aber es ist so. In mir drinnen ist sehr viel Farbe.

Selbstbetrachtung
Dass ich das nicht immer in sinnvoller Form hier niederschreiben kann und auch es nicht ganz schaffe, das im sonstigen Alltag in dieser Form auszuleben, mag diese oder andere Schwierigkeiten bringen, aber ändert nichts daran, dass ich eigentlich ein hoffnungsvoller und zugleich aber auch realistischer Mensch bin. Und ich schreibe gerne bewusst über die kleinen Fehler, Schwierigkeiten und Probleme, die sich so manchen Menschen und eben mir im Alltag mal stellen – einerseits, weil es hilfreich ist, so Etwas festzuhalten und sich selber zu dokumentieren (besser als runterschlucken und zu negieren) und auch, weil es manchmal hilfreich sein kann, dies auch woanders von jemand Anderen lesen zu können.

Denn Selbstzweifel oder sich Hinterfragen… das tun wohl die Meisten. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber ich glaube, dass fast jeder von uns immer irgendwo mit sich selber kämpft oder sich die Frage des Lebens und der Ziele stellt. Vermutlich wäre man sonst kein Mensch. Und ich finde da eigentlich nichts verwerfliches daran. Mag sein, dass es hier in meinen bisherigen Texten und Blogs zu konzentriert vorgekommen ist, aber nun ja. Lesen ist auch eine Kopfsache und das Bild des Inhaltes wird zum Teil durch den Schreiber geformt, aber auch sehr durch den Leser selber in einem großen Maßstab.

Dass man im Netz vorwiegend immer das Positive, das Coole, das Spannende und das Abenteuer entdecken kann – Stichwort Selfies, Facebook-Lebensstream und Co. – und nur selten persönliche Hinterfragung oder Zweifel lesen kann, heißt nicht, dass das jetzt hier bei mir DIE dunkle Wolke des Lebens ist. Ich sage es wenigstens, wo ich teilweise scheitere oder Etwas lockerer sehe, als man es eigentlich sollte. Warum auch nicht?

Aber ja, es stört. Das habe ich schon bei anderen Texte gemerkt und meine Meinung ist ja, dass es vor allem daran liegt, dass sich dann so mancher einfach selbst im Text wiedererkennt oder sich unbewusst angesprochen oder gar angegriffen fühlt. Oder sein eigenes Tun dadurch in Frage gestellt wird – das löst Frust, manchmal Ärger und Desinteresse aus. So Etwas spüre ich schon – sei es durch Kommentare, Stimmungen oder durch Gespräche im Nachhinein, Nicht-Kommunikation oder was auch immer.

Wie jetzt?
Es ist seltsam. Würde ich hier einen Blog schreiben, in dem ich nur mein Luxus-Leben als freie Flocke im Wind beschreiben würde, mit tollen Bildern von unterwegs, neuen Dingen, die ich mir gekauft habe, Freuden des Alltags und der inneren Lockerheit, mit der man naiv durch das Leben streift… dann würde es nicht lange dauern, bis es zu Verstimmungen kommt. Man würde das Alles in Frage stellen, mir verdeutlichen, dass das auf Dauer nicht so geht, so mancher würde sich ärgern, dass ich quasi den Spaß habe und das Leben feiere, während er durch den grauen Alltag mit Stress pendelt. Es würde nicht gut ankommen. Und man würde mich als naiv und Tagträumer sehen, der bald auf die Nase fallen wird.

Würde ich hingegen tatsächlich alle Schwierigkeiten hier ausbreiten konzentriert, die sich tatsächlich real so im Leben tun – egal ob Werkstättenkosten, die finanziell vernichtend sind, Tierarztbesuche, Job-Schwierigkeiten und Frust des Nichtgebrauchtwerdens, die absehbare Zukunft in einer beruflichen Behelfslösung, die Probleme mit der alten, brüchigen Wohnung, persönliche, soziale Miseren und Fehlschläge mit Mitmenschen, Zahnarzt, Herz, schwindende Fitness und Co., Selbstzweifel, Angst vor der Zukunft und so weiter… nun ja, dann würde man mir vermutlich stattdessen Therapie-Angebote schicken und mir erklären, dass man das Leben doch einfach auch mal leben und genießen muss… Los lassen und keine Gedanken über die Zukunft machen! Ach nein?

Das ist schon eine gewisse Ironie irgendwie.

In Summe wird beides nicht gerne gesehen und den Spagat zwischen diesen Welten und die Ausgewogenheit ist allerdings nur schwer zu schaffen bzw. müsste man da glatt jeden Blogeintrag oder Posting in einem sozialen Netzwerk irgendeines Portales zuvor exakt abwägen und genau anpassen sowie umformen. Und so will ich aber nicht schreiben, weil dann eben der Spaß verloren geht. Ich bekomme hier kein Geld, der Blog erzeugt keinen Gewinn, er kostet nur etwas, deswegen soll dies zu keiner Aufgabe verkommen.

Kurzfassung also: wenn ich Etwas schreibe, dann ist da immer sehr viel an Ironie und lockerer Fragestellung seiner selbst dabei, die aber nicht vernichtend gedacht ist, sondern munter und ohne ernster Miene. Der Blog hier oder ein Text stellt nur einen gewissen Teil und Spektrum meines Lebens da. Es ist nur ein punktueller Ausschnitt und wer mich näher kennt, der weiß, dass ich jetzt nicht gerade der Dauergrinser bin, aber mir trotzdem durchaus aus Vielem auch einen Spaß oder Freude machen kann – aber natürlich schon auch das Bewusstsein trägt, dass da und dort Stolperfallen präsent sind, die gefährlich sein können.

Selber tun, selber erfahren
Generell bin ich zudem der Meinung, dass viel mehr Menschen einfach so über ihren Alltag und ihre Gedanken mal Bloggen sollten, denn dann würden sie besser verstehen, dass man es nicht oder nie richtig machen kann, schließlich hat jeder Leser seine eigene Lebensblase gezwungenermaßen, in der er nur so interpretieren kann, wie er es halt versteht und naturgemäß kennt.

Das würde er dann merken, sobald er mal einen Satz selber geschrieben und publiziert hat… oftmals habe ich schon Sätze ausgebessert im Vorfeld, nur aus dem Grund, weil ich weiß, dass jemand Anderer es womöglich völlig falsch verstehen oder auf sich beziehen würde, auch wenn es von Grund auf nicht so gemeint wäre. Diese Erfahrung ist und wäre wichtig und ich meine damit auch außerhalb von einem Posting auf Facebook, das nach ein paar Minuten weg ist.

Das Boot-Projekt ist ein gutes Beispiel. Es äußert sich in zwei Stimmungen… die eine Stimmung, die einem entgegen weht, ist der Meinung, dass es schon fragwürdig ist, soviel Zeit in sowas zu investieren (und Geld) und die Sinnfrage, zudem was und wozu will man sich damit beweisen und warum so kompliziert und was wäre wenn, zudem hat man denn eigentlich nicht viel dringendere Aufgaben und Probleme im Leben zu lösen wie Einkommen und Zukunft? Und sollte man nicht erst dann sich diesen Dingen wie Boot widmen?

Und die andere Meinung ist, warum zieht man es nicht richtig durch, denkt in großem Maßstab und wagt sich über seine Grenzen hinaus, warum lässt man nicht den Ernst des Lebens liegen, denn man lebt nur einmal und der Tod kommt schneller als man glaubt oder wenn man gerade nicht damit rechnet, also einfach tun, egal wie viel Arbeit es ist, was es kostet und was Andere denken. Und warum nicht wirklich bis zum bitteren Ende umsetzen und nur davon reden?

Zwei konträre Meinungen, die nicht zusammenpassen in dieser Form. Die goldene Mitte – da Mensch – findet sich kaum. Auch die Video-Ton-Idee löst jetzt schon zwei Reaktionen aus, eine der Hemmschwellen bei mir, warum ich nichts online stellen mag. Die eine Seite, die der Meinung ist, dass das gut ist, weil es muss was Neues her, man muss sich entwickeln, das kann man ausbauen, nein, das muss man, und man könnte noch dies und jenes und pfeif auf den Rest… und die andere Seite, die das skeptisch sieht, wozu, sinnlos, machen doch jetzt eh alle, das langweilt nur, typisch Mitläufer, was willst Du dir damit beweisen, ich würde das nicht wollen.

Und noch die dritte Seite, die das selber gerne tun würde eigentlich, aber ebenso eine Hemmschwelle hat wie ich, und deswegen auch ein bisschen diesen Mini-Neid in sich trägt, weil der Andere das probiert – deshalb wird Skepsis verbreitet und es mit einer Handbewegung wegwischt, weil es sonst den eigenen Frust der Nicht-Umsetzung verstärkt. Das nervt. Anstatt einfach zu sagen: ich will auch.

Wichtig ist dabei festzuhalten, dass ich da nicht anders bin – ich schwebe selber zwischen den drei Ansichten und Stimmungen bei mir selber und Anderen. Zudem: wer frei von jeder Schuld ist, werfe den Stein zuerst… Ich kann es nicht.

Text ist nur Text
Was ich also sagen will und das gilt vor allem für mich selber, dass egal wie man etwas schreibt, es nicht richtig sein kann, weil es immer entweder auf der Seite, auf der anderen Seite, da drüben oder dahinten eine Reaktion auslöst, die selten die Form in sich trägt: „Voll super, echt gute Meinung/Ansicht/Idee/Vorhaben/Selbstfindung, ich freue mich darüber“. Das Online-Leben und die Netzkommunikation machen das nur einfach sichtbarer, aber natürlich passiert das auch im sonstigen Leben und Alltag. Das „miteinander Vermengen“ der eigenen Wünsche, Emotionen und Probleme mit gelesenem Text.

Aber zur Entspannung zumindest der Leser meines Blogs und meiner Selbst (auf anderen Blogs und Portalen anderer Mitmenschen läuft ja ebenso genau das gleiche Spiel ab, die Probleme haben ja eh fast alle), werde ich mal eine Zeit lang ausschließlich von den positiven Dingen des Lebens schreiben. Ich hoffe nur, dass ich dann nicht das mehrfache Feedback bekomme, wie man denn nur so den Ernst des Lebens ausklammern bzw. sich nicht darum kümmern kann. 😉

Nachtrag: und natürlich wird hier ein Problem aufgeblasen, das etwas übertrieben wirkt, weil der Blog ja so klein ist, dass man sich schon fragt, ist die Meinung und der Inhalt nun wirklich so relevant, dass man das alles hier so ausbreiten muss? Ja und nein. Ja, weil auch dieses kleinen Fluffi hier im Netz Teil meiner Person und Leben ist und natürlich auch nein, weil sich nicht die ganze Problematik an Feedback und der inhaltlichen Wiederholungen bei Beiträgen meinerseits hier an diesen paar Worthülsen fest machen lassen können. Ja. Aber besser eine Meinung zu definieren, als keine zu haben oder zu äußern.