Tempelberg und Burgruine

Burgruine Mödling und Husarentempel

Mehr als 34 Jahre habe ich gebraucht, um diese Gegend für mich zu entdecken – sehr leicht und schnell zu erreichen mit dem Auto und die Wanderwege sind zum größten Teil recht gut beschildert, die Wege an sich zahlreich und bieten etwas Abwechslung und immer wieder Weitblick… zum Beispiel die Burgruine Mödling und der Husarentempel am Kleinen Anninger im Süden~Westen von Wien.

Föhrenberger

Eines weiß ich jetzt schon… auch wenn der Sommer vermutlich wieder wie üblich mit Alltag, Arbeit und anderen Verpflichtungen durchsetzt sein wird, werde ich an einem freien, schönen Tag einmal mit einer Jause, Decke und Laptop in der Früh losstarten und dort oben auf der Bergspitze zwischen Wind und Vogelgesang in der Husarentempelanlage sitzen und vor mich hinschreiben bzw. herum basteln. Einen idealeren Ort für so ein Vorhaben findet man wohl kaum so schnell.

Wald

Der Weg führt ganz klassisch über Waldboden oder gefestigten Sand-Kies-Boden in verschiedenen Varianten durch die Föhrenberge. Es gibt zwei-drei Hauptwege, aber auch viele kleine und ganz kleine Nebenwege, die sich im Wald verlieren und manchmal schöne Überraschungen bieten.

Eidechse

Die dennoch schönste Freude des Tages waren aber weder der Tempel, das Wetter oder die Landschaft, sondern die Vielzahl der Eidechsen, die wie Frühlingsboten über Steine da und dort flitzen und erstaunlich ruhig blieben… man konnte sie beinahe berühren und ganz nah an sie rangehen.

Morsches Holz

Der ideale Nährboden für Mikrolebewesen aller Art… durch den warmen Wettereinbruch tritt dieses versteckte Leben an manchen Stellen sogar wieder ans Tageslicht und man spürt die Kraft, die in so einem Wald steckt.

Ausblick auf Burgruine Mödling und den Husarentempel

Das hier ist ein sehr gutes Bild… im Vordergrund die Burgruine Mödling und dort hinten oben am Berg der Husarentempel. Nachdem ich die Gegend bis jetzt nicht so bewandert hatte, bin ich recht blindlings und ohne auf Schilder zu achten meiner Nase nachgegangen. Glücklicherweise, denn ursprünglich wollte ich nur zur Ruine, stattdessen bin ich falsch abgebogen und einfach weitergegangen und dann auch noch quer durch den Wald, versehentlich in eine Wildtier-Futterstelle gelaufen und dafür kurz darauf auf einem Nebenpfad zum Husarentempel gelandet. Und es hat sich ausgezahlt – auch wenn er erst ein wenig unerreichbar fern wirkte…

Husarentempel

Hier konnte ich bereits feststellen, dass es schon möglicher wurde, ihn doch noch an diesem Tag zu erwandern. Irgendwo stand ein Schild mit einer 3-Stunden-Etappe, allerdings dürfte das die ausufernde Route sein, denn insgesamt war ich an diesem Tag von Parkplatz hinauf und wieder zum Parkplatz gerade mal 3 1/2 Stunden unterwegs… allerdings mit ungeplanten Abstechern, Foto- und Essens-Pausen, zwei größere Umwege und einen Abstecher auf einen anderen Hügel sowie der Schluss, wo ich einen anderen (weiteren) Rückweg nahm. Also man kann locker beide Aussichtspunkte an einem kleinen, kurzen Vormittag oder Nachmittag erkundigen.

Felsspalt

Hier schlüpft man durch und fühlt sich wie neu geboren. Oder so ähnlich.

Baumstumpf mit Moos

Der Frühling erwacht langsam bei diesem warmen Wetter und das Moos strahlt dadurch feucht und kräftig. Ich mag sowas.

Frühlingszeichen

Manche Stellen wirken noch recht leblos und herbstlich, dem leeren Wald angepasst, aber schön langsam tauchen an sonnigen Stellen die ersten, saftigen Triebe auf und heben dadurch die Stimmung.

Geschnittenes Holz

Auch wenn es heute von schweren Forstmaschinen verarbeitet wird, riecht so ein frisch geschnittenes Holz auch mitten im Wald, gemeinsam mit dem Nadelboden in der Sonne, einfach nur gut.

Fundstück

Die ersten Spuren des Husarentempels tauchen auf… die falsche Abzweigung und der Waldausflug abseits der regulären Strecken hat sich ausgezahlt.

Gedenkstätte

Eine kleine Gedenkstätte – im Inneren befinden sich 5 Gefallene aus der Schlacht bei Aspern im Jahre 1809 – damals starben über 23.000 österreichische Soldaten  innerhalb dieser zweitägigen Schlacht, bei der Napoleon erstmalig besiegt wurde. Verrückte Welt…

Husarentempel

…der Zugang dazu befindet sich auf der Seite in einer Art von „Höhlen“-Bucht.

Husarentempel

Und hier steht der Husarentempel in voller Pracht. Durch das warme, trockene Wetter und die zu den Föhrenbergen passende kargere Vegetation, lassen in einem ganz kurz das Gefühl von Athen und Süden entstehen.

Husarentempel

Etwas Wind, Sonne und Ruhe und einen Rundumblick über die Landschaft – das wird einem hier in wunderschöner Weise geboten… auch wenn man das mit der Kamera irgendwie so nicht wirklich einfangen kann.

Husarentempel

Noch ein Foto mit etwas mehr an Weitwinkel…

Husarentempel

…und ein klassisches Selfie, um das Ego zu stärken und zu beweisen, dass man wirklich da war. Natürlich in Datenschutzkonformer Weise.

Ausblick auf Wien

Hier noch ein Ausblick auf Wien und wer genauer schaut, sieht hier auch die Burg Liechtenstein, die ich auch mal bei Gelegenheit besuchen werde. Die Seegrotte Hinterbrühl ist ebenso recht nahe.

Berghang mit Wald

Viele Hügel und kleine Berge und viel an Nadelholz. Im Sonnenlicht wirkt das Ganze einerseits recht karg und leer, ist man aber darin, dann fühlt es sich warm, südlich und angenehm einfach an.

Baumstämme mit Moos

Getupfte Bäume und kleine Moosfluffis bieten etwas Abwechslung zwischen den Millionen an Stämmen…

Toter Baum

…der Efeu hier auf diesem toten Baum hingegen hat mich auf dieser Anhöhe überrascht, den bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich den sonst nirgendwo entdecken.

Eidechse

Noch eine kleine Eidechse stattet mir einen Besuch ab und ist recht neugierig, was ich denn da mit der Kamera so mache. Herrlich, solche Tiere einfach so unkompliziert und unmittelbar zu erleben.

Holzstämme

Nicht nur der Waldboden zeigt schon die ersten Frühlingsboten, sondern auch die geschnittenen Baumstämme öffnen ihre Knospen in Form von Verfärbungen im inneren Kern und verströmen ihre harziges Aroma.

Frühlingsblume

Ich hatte gar nicht erwartet, dass es schon soweit ist, aber umso schöner ist es dann, wenn man auf einer freiliegenden Anhöhe mit Weitblick unzählige Kuhschellen entdeckt. Jetzt fehlt irgendwie nur noch ein Edelweiß zur Abrundung eigentlich.

Unterschlupf am Berg

Und ein paar Schritte weiter tauchte dann dieser Unterschlupf auf – mit der fernen und weiten Kulisse, der Sonne, die genau auf diesen Hang strahlte und den flachen Nadelgehölz rundherum, entstand für einen kleinen Augenblick das Gefühl von Kanada, Bären, Jäger und Ausstieg. Dort werde ich bei hoffentlich zukünftigen Ausflügen auf jeden Fall öfter verweilen.

Anhöhe

Eine kleine Anhöhe, ebenfalls ein idealer Rastplatz, um recht ungestört und ohne Menschen vielleicht eines Tages mal im Sommer ein paar Stunden zu verbringen, Etwas zu schnitzen oder auch einfach nur zu sitzen und dem Wald und dem Wind, der über den Bergkamm streicht, zu zuhören.

Burgruine Mödling

Da taucht wieder die Burgruine auf… sie ist schon fast zum Greifen nahe…

Burgruine Mödling

Noch ein paar Höhen und Tiefen und einen steilen Abstieg im Wald abseits des flachen Wanderweges – über Nadeln und Zweige auf kleinen Wegen entlang rutschen…

Burgruine Mödling

…und es ist geschafft. Die Burgruine Mödling, die bereits eine bewegte Geschichte hinter sich hat und trotz mehrfachen Bränden, zwei Türkenbelagerungen und diversen Übernahmen Bestand hatte. Zwar steht nur noch wenig, aber das tut dem Genuss keinen Abbruch. Wortspiel.

Flagge

Wenn ich etwas an Burgen, Anhöhen und Wind mag, dann sind es Flaggen. Hätte ich eine eigene Burg, dann würde ebenso an jeder Kantenecke eine gewaltige Flagge im Wind flattern und das thronende Gesamtbild in der Landschaft verstärken. Ich mag das sehr. Visuell, akustisch und stimmungsmäßig.

Burg-Anlage

Hier noch ein kleiner Eindruck von der restlichen Anlage – mit sehr viel Ruhe, Fantasie und dem richtigen Wetter und der passenden Stimmung, könnte man sich auch ganz kurz in die Anden versetzen und eine alte Tempelanlage erforschen.

Burg-Anlage

Immer wieder ist es erstaunlich, was sich Menschen auf so kleinen Bergen antun, um dort Macht, Position und Ansehen zu wahren. Denn so eine Burg aus Stein baut sich schließlich nicht von selber, schon gar nicht im 11. Jahrhundert. Übrigens galt sie im 12. Jahrhundert als eine der größten Burgen in Österreich – etwas überraschend irgendwie, da sie ja doch eher klein ist.

Burg-Anlage

Wie das Leben damals bei Belagerung, Tod und Feuer wohl gewesen sein muss? Oft frage ich mich, ob wir erst in unseren Generationen Burgen als etwas Anmutigendes, Romantisches formten und davor waren sie eher ein Ort der Angst und des Rückzuges? Allerdings heißt es auch, dass die Burg Mödling damals in der Geschichte vor allem einen Punkt der Kunst und Musik markierte.

Blick auf den Husarentempel

Mit etwas Zoom kann man hier auf dem gegenüberliegenden Berg den Husarentempel sehen. Ich bin in dem Moment selber überrascht, dass ich erst vor etwa 45 Minuten dort oben war… im Video unten sieht man recht gut, dass da doch eine Menge an Weg dazwischen liegt, vor allem führt der Weg durch den gesamten Wald entlang der kompletten Bergflanke von links nach rechts.

Wiesen

Von dort oben wirken die Menschen und Hunde auf den Wiesen in dem „Tal“ unten wie kleine Ameisen auf einer Kunstzeichnung… Pfade des Lebens.

Frühlingszeichen

Auch bei der Rückkehr erinnern Blumen und Blüten da und dort, dass der Winter für dieses Jahr (vermutlich) seinen Schrecken verloren hat.

Frühlingszeichen

Zum Abschluss noch mehr Blumen…

Armbrustschießen

…und zu den Burgen passend eine Armbrust-Schuss-Anlage.

Hier noch ein Rundgang im Husarentempel. Das Knattern und Krachen kommt übrigens vom Wind, der doch manchmal recht kräftig war, aber durch die Nadelbäume sieht man ihn visuell kaum. Rechts und links als auch vorne geht es relativ steil bergab, da der Tempel sozusagen vorne auf der Bergspitze steht – der Weg selber führt am Kamm dorthin.

Und hier noch ein kleiner Rundgang durch die Burgruine Mödling. Nichts Weltbewegendes jetzt, aber es herrscht ohne andere Menschen, bei warmen Wetter und mit Eidechsen auf den Steinen eine gute, entspannte Stimmung. Ein guter Ort, um ein wenig den Druck aus dem Alltag und seinen Erwartungen & Verpflichtungen zu nehmen. Zukünftig nach Möglichkeit ein Ort, den ich noch öfter aufsuchen werde.

6 Kommentare


  1. wunderschöne bilder und beschreibung, man kann fast den wald richen… ja frisch geschnittenes holz ist einfach herrlich zu riechen…
    na, ich hoffe, unsere wege kreuzen sich mal in der gegend. in der nähe der burg liechtenstein treibe ich mich nämlich öfter rum 😉


  2. Ach, könnte ich nur mitwandern ! Ich weiß gar nicht mehr wie schön es in der Natur ist.


  3. Das glaube ich Dir gerne… wenn wir eine Möglichkeit finden, dich in Hosentaschen-Größe zu schrumpfen, würde ich Dich natürlich mitnehmen! 🙂

    Es gibt übrigens auch etwas Schweizer Natur zu sehen (von nohy mit den Anhängern vom letzten Eintrag): http://zauberhafteschweiz.ch – glaube, die Bilder und vor allem die Tiere gefallen Dir ebenso – und passt gut zu Wanderungen und Landschaft. Außerdem muss ich bei den Alpaka-Portraits irgendwie an Familienfotos denken…


  4. echt jetzt? 😀 so freundliche Familienmitglieder hast du? Neid!
    @ le borgne: in´s Auto (z. B. Hyundai) hieven lassen, und mitfahren!


  5. Hallo Emanuel !
    Der Opa hat mir gestern deine Wanderung zum Husarentempel gezeigt. Ich war fasziniert von deinen schönen Aufnahmen der Natur. Die kleinen blauen Leberblümchen
    erkannte ich, die größeren kann ich nicht benennen. Du machst so traumhafte Fotos !
    Die kleinen Eidechsen sind so präzise erfasst – ich bin begeistert ! Du bräuchtest einen
    Entdecker, dem deine Bilder genauso gut gefallen wie mir. Auch deine körperliche
    Leistung ist imponierend ! Ich wünsche dir für deine nächsten Ausflüge ein ebenso
    schönes Wetter und ab und zu ein Bankerl zum Rasten.
    Sei umarmt von deiner Oma !

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