Das rudimentäre Leben

Es gibt ja im Netz heutzutage eher wenige Seiten, die wirklich noch so richtig böse, gemein und hässlich sind. Also diese Ursuppe an Webseiten, die manche jungen User nicht mal mehr vom Prinzip verstehen und kapieren, was da eigentlich abgeht – und die unbedarften Usern auch Angst machen können, weil man dort ungefiltert alles sieht und entdecken kann, was man eben sonst nicht sehen und entdecken darf. 4chan gehört da sicherlich mit einem Clan an anderen Webseiten dazu, quasi ein Urgestein in der Online-Szene und für jeden Freak Ressource für Spaß, Frust, Aggression und Würg.

Ebenso ein Tummelplatz mit anderen Tiefen des Netzes für die Anonymous-Bewegung, Möchtegern-Hacker und Cracker, illegaler Handel und harmlose Comics von der Festplatte. Also man findet dort alles und Nettigkeiten gibt es dort aus Prinzip nicht -jeder kann sich dort einen Reißzweck in den Fuß eintreten… man kann die Seite hassen, aber auch für die absolute Freiheit lieben. Zudem gehören solche Seiten noch immer zu den größten Communities im weltweiten Netz… und für mich ist sie ein fester Bestandteil meiner Online-Ära von fast Anfang an. Aber auch da und dort ändern sich die Dinge.

Der Admin von 4chan, der anno dazumal vor über einem Jahrzehnt mit seinen jungen 15 Jahren die Seite gegründet hatte (eigentlich gewissermaßen auch sowas wie eine Raubkopie japanischer Plattformen, passend zur Seite) gibt nun das Projekt ab und beendet seine Tätigkeiten.

Soweit nicht erwähnenswert, was ich aber sympathisch finde, ist sein persönlicher Blogeintrag, denn ich verstehe es nur allzu gut…

In my effort to decrease time spent on social media, I’ve found that I use it more selfishly. These days I only open social apps when I have something to share, which feels uncomfortably narcissistic. The immediate praise that comes in the form of likes and faves can tempt even those who don’t care for it.

My ability to live in the moment and enjoy everyday life is also diminished, since I tend to snap photos and fumble with my phone instead of enjoying what’s at hand. I do love taking photos though—I’ve just come to appreciate that an unshared photo is a more meaningful one.

But I miss the richness that our interactions once had, and would much rather catch up with someone face-to-face or at least through a true correspondence, rather than peek at their life through the distorted lens of social media posts.

Und das sagt jemand mit einer Nonsense-Plattform, die viele Menschen am liebsten sofort abdrehen würden, aber dabei dennoch zu den Erfolgreichsten zählt – mit über einer Million Besuchern pro Tag, 620 Millionen View im Monat und 2,8 Terrabytes an Datentransfer pro Monat laut aktuellem Posting bei 4chan – und der eigentlich nichts dazu tun muss, weil die User eine absolute Eigendynamik entwickelt haben und sich vollständig selber um die Inhalte teilweise im Sekundentakt kümmern.

Nicht überall, wo die Sonne scheint, ist also auch viel Sonne drinnen… die Welt ist ja dann doch noch größer und umfassender als so ein Fokuspunkt. Und der ändert sich immer wieder erneut und ich kann diesen Punkt sehr gut nachvollziehen (ohne dem Erfolg, aber vom Prinzip trifft es der Blog-Beitrag sehr gut).

If you notice me less on social media (as I hope you will), know that I’m still around, and eagerly await and welcome your letters. Or a bicycle ride, walk in the park, and even just reading beside one another—anything but a tweet.