Dann gehe ich halt…

…zu Amazon oder dergleichen. Ich bin mal wieder verärgert. Nachdem ich ja letztens so ein kleines Boot aus Holz und eines aus Gips gebastelt habe, dachte ich mir, es wäre doch mal nett, so ein Ding auch selber zu gießen. Kein großes Abenteuer, diverse Bastler, Modellbaufreaks und Co. machen das mit ihren Teilen schon lange, ebenso Nerds im Elektronik-Bastler-Bereich.

Dazu verwendet man Gießharz (Epoxidharz und Co.), dass man in eine Form gießt und aushärten lässt. Das Ergebnis ist dann eben Plastik-ähnlich und lässt sich nachträglich bearbeiten und anmalen. Für die Form gibt es ebenfalls Silikonmassen, mit denen man die auszugießende Form abnimmt bzw. erstellt. Eigentlich also keine Herausforderung… wenn, ja wenn da nicht das heimische Geschäftsmodell wäre.

Da wird an allen Ecken und Enden gejammert, dass der Online-Handel den kleinen Händler ruiniert, die großen Einkaufshäuser streifen am Konkurs und die Zentren sind leer und sperren der Reihe nach zu. Das böse Internet entzieht den Boden, die Substanz und ruiniert das eigene Land.

Ja. Geht ja auch nicht anders. Da bin ich nämlich zu einem Bauhaus gestapft, wollte dort Epoxidharz und Silikonkautschuk kaufen, dass sie laut Online-Informationen auch da und dort führen… und stelle fest: der Weg war umsonst. „Des hob ma net, müssens woanders schaun.“

Ok, nächstes Bauhaus bzw. Großhändler aus dem Metier, der auch nicht gerade ums Eck ist – natürlich vorher auf deren Webseite kontrolliert, ob es das dort überhaupt gibt, in der Filiale geführt wird und zu welchem Preis… passt, los geht es. „Aso? Ah, woart… na, gibt’s net. Oda geh, hobn wir sowas? Ha? Ajo… na, hob ma nimma, des hob ma ghobt, aba vielleicht kriag ma wieder wos… najo, vielleicht im Frühjoar oda so…“

Danke. Weiter geht es… wieder war ein Weg umsonst. Erstaunlicherweise laut Online-Infos findet man das Zeugs auch beim hiesigen Elektronikmarkt. Dort komme ich zumindest etwas leichter hin, also wiederum losstapfen.

Leeres Regal. „Ach nee, das is aus. Aba wir können ja eins bestellen, wenn Du magst. Wird halt dauern oder wir warten, ob wir vielleicht wieder eines bekommen – sind halt nur die Kleinen“. Und Abform-Silkon? „Neee, sowas führen wir nicht“.

Danke. Also mal den guten, klassischen Fachhandel der kleinen Händler begutachten, recherchieren… ja, da gibt es einen. Der bietet sogar lange Erklärungen zu dem Thema an und preist die Dose mit 12 Euro an, die Silikonmasse mit 20. Nun gut, nicht billig, wenn es nur um den Spaß und etwas Abendgestaltung geht, aber gut.

Das Regal vor mir… das Preisschild vor mir. 33 Euro die Harzdose, 45 Euro das Silikon… online war das doch anders ausgeschildert? „Ja, wir bieten das eben sehr speziell für den Fachbedarf an und aufgrund der Qualität, blabla“. Danke.

Eigentlich wollte ich mal auf Amazon verzichten und es eben einfach in einem Geschäft kaufen, aber das geht einfach nicht. In diversen Foren gibt es Ratschläge, dass man es bei dem und dem Großhändler bekommt, denn „dem Chef liegen dort die Bastler am Herz, verkauft dann auch ausnahmsweise kleine Mengen“ und ist eh nur ca. 200 Kilometer entfernt, irgendwo am Land in einem Lagerbetrieb. Danke.

Noch ein kleines Fachgeschäft in Wien… ebenfalls wieder mit einem Summenaufschlag von 20 Euro. Soviel gebe ich für ein wenig Rumspielen und Versuchen sicher nicht aus. Und wir sitzen vor dem Online-Handel im Netz, schön bequem und unkompliziert am Wohnzimmertisch.

Gießharz um 12 Euro, Silikon um 20 Euro. Versandkosten 4 Euro.

An dem Punkt bräuchte ich nur noch klicken und 2-3 Tage später hätte ich es in meinen Händen. Ganz einfach, ohne viel nachdenken, mit Service bis an meine Haustüre.

Ja, mir ist bewusst, dass Sonderwünsche nicht vor jeder Haustüre liegen und das spezielle Bedürfnisse an Produkten nicht hundertfach auf Lager sind. Aber Bestellzeiten von Wochen und Monaten ist einfach zu lange und Kostenaufschläge von 10% bis 50% für das gleiche Produkt (und das ist dann auch oft schon jahrelang verstaubt im Lager gelegen) ist ebenso einfach zuviel des Guten.

Zudem reiht es sich in eine Vielzahl an ähnlicher Erlebnisse ein – und zwar, dass die Vielfalt an Produkten speziell in Baumärkten und Co. weiter sinkt. Letztens wollte ich einen einfachen, dünnen Kupferdraht. Nichts aufregendes… „da haben wir nur den dicken Draht da“. Und dünnen, feinen Draht für Elektro und Co.? „Na. Müssens zum Elektriker, leider.“

Na klar, weil es so viele Elektriker-Geschäfte ums Eck gibt, die jetzt diesen Standard-Draht verscherbeln. Ebenso das Gleiche mit Schnüren (schon mal dünne Schnüre beim Baumarkt gekauft? Ist lustig), Beschlägen, Winkeln und Co… aber das habe ich schon anno dazumal irgendwann schriftlich in einem früheren Blog geschrieben.

Fakt ist einfach, dass es schwieriger und schwieriger wird, „Kleinigkeiten“ zum selber machen zu finden und zu kaufen, wenn man das Netz umschiffen möchte. Der Einheitsbrei wächst, die Vielfalt der Produkte und Hersteller wird immer kleiner. Übrigens auch Balsaholz. Ich kann mich erinnern, dass man früher in jedem Bauhaus Balsaholz kaufen konnte, ebenso Holz in verschiedenen Dicken und Stärken – für den klassischen Heimwerker, Modellbastler, aber auch für Firmen, die ihren Bedarf auffüllten.

Heute? „Wir hobn des Leimholz, des Dicke, Küchenplottn hob ma a, ansonsten hob ma no des büllige Sperrholz do“. Oder so Rundhölza und Kantln.“ Platten? „Na.“ Leisten? „Na.“ Bestellen? „Puh, da muas i mol frogn… glaub net, das wir des irgendwo hobn, da müssns zum Tischla“.

Genau zu welchem? Der ums Eck? Hat es. Ja… mit einem Aufschlag von ca. 40% und nur weil er gerade was übrig hat. Aber man kann es bestellen, er kümmert sich darum. Dauert halt 6 Wochen oder so, mal schauen. Qualität kann er aber nicht versprechen, das, was er halt bekommt. MPX-Platten (Sperrholzplatten aus denen man zum Beispiel ein Longboard oder Skateboard machen kann)…? „Jo, hob ma, oba grod nix do… im Aprü gibt’s de nächsten. Glaub i. Holt so klaaane Platten, gö?!“.

Schlussendlich habe ich jetzt ganz auf das Gießharz und Silikon verzichtet und lasse es einfach mal – etwas frustriert – bleiben. Online bestellen wegen zwei Doserl erscheint mir irgendwie absurd und auch nicht wichtig genug. Aber auf der anderen Seite ist es schade, dass man heute auf den vernachlässigten Fachhandel angewiesen ist, der aber ebenso nicht den Bedarf decken kann und auf Masse und „einfache“ Kundenwünsche setzt und sein Angebot weiter verkleinert.

Bin ja schon glatt gespannt, wie lange es dauern wird, bis die wenigen Fachhändler zugesperrt haben endgültig und man in Baumärkten nur noch eine Nagelgröße und eine Dübelform bekommt. Wozu auch… haben ja eh alle Smartphones, was braucht man da noch Balsaholz? Und selber machen mit Harz? Macht man sowas? Kann man das nicht einfach gleich fertig alles kaufen, ohne selber machen…?

Genau. Seufz!

1 Kommentar


  1. bei den nahrungsmitteln hat´s angefangen, weiter bei kleidung, einrichtung, fertighäusern, usw. versuch mal eine seltene kartoffelsorte irgendwo zu ergattern… 😀
    wenn du etwas willst, was etwas aus der reihe fällt, dann musst du zeit und geld und beziehungen haben. sonst geht da gar nix!

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