Diskussionen 12.0

Ich fasse es mal kurz zusammen… das Leben ist gerade nicht ganz so leicht und unbeschwert, wie es eigentlich sein sollte oder könnte – auf der anderen Seite wissen wir alle, dass das Atmen und Sein an sich ebenso ist, wie es ist. Wer genießt denn schon das Leben in vollen Zügen beziehungsweise kann das auch einfach mal so nach Lust und Laune? Keiner von uns (ich vermute jetzt ins Blaue und in meinen Umkreis & mir) hat schließlich im Lotto gewonnen oder mit dem richtigen Gefühl an der Börse spekuliert oder gar das vollendete Leben in einem anderen Menschen oder womöglich Beruf gefunden – und sogar wenn, wäre das Glück wahrscheinlich noch immer ein wenig fraglich – naturgemäß.

Wie auch immer. Während ich also im analogen Alltag ein wenig rumstrampel, mich gerade auch sehr über den Amtsschimmel und all diese Begebenheiten von festgefahrenen Strukturen ärgern muss, habe ich zumindest im digitalen Leben gerade so eine ganz kleine Glücksbeschäftigung gefunden – sie ist zwar sehr klein und vergänglich, aber unkompliziert und quasi sozusagen im Hosentaschenformat.

Ich habe ja so ziemlich alle Online-Projekte meinerseits im Laufe der letzten Jahre abgedreht, archiviert und stillgelegt. Zumeist, weil sich einfach mein Interesse verlagert und von Grund auf neu geformt hat, aber auch weil die Zeit generell weiter voranschreitet und damit die technische Entwicklung und sich zugleich dabei auch das User-Verhalten radikal verändert hat. Früher war es einfach leichter, Gleichgesinnte auf seine Webseiten zu „verführen“ und ihnen dort einen Mehrwert und Aha-Effekt anzubieten, heutzutage hingegen ist der Inhalt selber das Transportmedium geworden und muss seinen Weg im Dschungel der Social Media Kanäle finden… und ist damit jedoch auch vergänglicher denn je geworden. Der „Ort“ selber ist quasi nicht mehr so relevant für seine Existenz, sondern das wie und wie oft.

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Der Spaß verlor sich also doch recht deutlich – zumindest für mich – und diese kleinen Inseln im Netz, die man damals selber mit den eigenen Händen geformt und liebevoll verhätschelt hatte, wurden fast über Nacht leer und einsam. Kleine Lebensräume im weiten, sonnigen Paradies, von denen die User erst einzeln und dann in Scharen flüchteten, weil ihnen das Angebot und der „Featurismus“ einfach nicht mehr ausreichte. Der Bedarf steigt nun mal eben mit dem Angebot und die neuen Social Media Seiten boten genau dies. Den Trend in der analogen Welt, wo immer mehr und mehr Menschen in Städten und immer weniger in Dörfern und Gehöften wohnen, findet man also genauso auch in der elektronischen Netzform. Das Grundprinzip: da wo sich alle tummeln, da strömt man eben hin, denn dort gibt es das, was man so braucht. Naturgemäß und nicht anders zu erwarten bei den humanoiden Herdentieren mit instinktiven Überlebenstrieb.

Deshalb habe ich nun mein Glück wieder ein wenig gefunden, denn wenn immer sich in der digitalen Welt etwas in die eine Richtung dreht, wende ich mich fast automatisch in die Andere. Selbststilisierter Pseudo-Rebell der alten und verlorenen Schule, die von sich selbst lebt. Zumeist natürlich recht sinnlos und etwas eigenbrötlerisch das Ganze, auch manchmal fragwürdig und es bedeutet zudem auch viel Aufwand für Nichts – aber so arbeitet nun mal mein Wesen, mein Ich und mein Charakter, und es gibt neben viel Frust, der dabei durchaus anfällt, dann trotzdem auch die eine oder andere kleine Schönheit darin, die es schließlich am Leben erhält und somit anschließend als Gewinn angesehen werden darf. „Sei es eben, weil man einfach etwas macht, was weder Sinn ergibt noch sonst jemand interessiert“. Das kleine, geheime Nest quasi, das man nur selber kennt und versteht.

Natürlich… das wirft man zumeist schnell auch wieder weg, weil man eben feststellt, dass das weltweite Netz der Menschen der Bits und Bytes noch immer zu fast 90% von der Kommunikation und dem sozialen Miteinander (oder durchaus auch Gegeneinander) an sich lebt und die meisten Projekte logischerweise nur dann Sinn machen, wenn man eben genau diese Faktoren miteinbezieht und sich ihnen nicht verschließt… ja.

Soweit ist vermutlich auch alles klar und genau aus all diesen Gründen habe ich ja zum Beispiel jetzt hier meinen kleinen Anti-Blog, den nicht mal eine Handvoll an mir nahestehenden Personen wirklich kennt (gut so) und weiters viele leere Projekt-Webseiten, die vor sich hin schlummern und das Nichtstun genießen.

Aber da fehlt mir trotzdem noch irgendwas Kleines – ich hatte immer zwei aktive Seiten in meiner digitalen Laufbahn – Blog und noch eines eben… so ein Bastelding irgendwie, das man aus reinem Spaß an der Freude und des Habens an sich ins Leben wirft, in der Freizeit, zwischen TV, Salatschüssel und ins Bett gehen betreut, anschaut und immer wieder auf’s Neue aufruft… nur was könnte das sein?

Ich habe lange überlegt, wie immer – ein zweiter Blog? Ganz sicher nicht, denn momentan hängt mein Kopf sowieso, deswegen schaffe ich das tägliche Bloggen ja noch immer nicht, sogar noch nicht mal jetzt bei diesem minimalen, pseudo-anonymen Blog, der alle Freiheiten bietet. Ein neues Projekt alias Blosxom, diese Blog-Engine? Nein, auch nicht… denn dazu fehlen mir die passenden, tiefgehenden Kenntnisse für einen sinnvollen, neuen und modernen Aufbau und es fehlt auch das Tool generell dazu. Sonst irgendein Link-, News- und Co.-Portal wie damals mit Mode und Fotografie? Nein, denn das bedeutet (verdammt viel) Arbeit, ein bestimmtes Ziel und vor allem bewusstes Marketing und Streuung in der digitalen Welt, um einen Nutzeffekt zu ermöglichen. Danke nein – denn & außerdem gibt es da eh ein gemeinsames Projekt mit Stefan von angekommen.in, das aber seine eigene Welt besitzt und nichts mit meiner ganz privaten Freizeit in meinen vier Wänden daheim sozusagen zu tun hat.

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So ging es jetzt also wochenlang im Kopf dahin und zudem stellte sich auch große Frage aktuell: was passiert denn nun mit dem stillgelegten Blosxom-Projekt, dem Domain und dem Webspace? Schließlich stecken da auch Kosten dahinter – Account, Webspace, die Technik, auch ist der Domain kurz und bündig, also einfach zu merken und… der Serverplatz ist technisch in Bestform.

Gut, als Retro-Mensch, der sich ja gerne gedanklich noch immer etwas verloren und wehleidig in den elektronischen Zeiten der 80er und 90er wälzt und vor allem auch Super Nintendos, Trick-o-Tronics und den alten Windows95-Computer mit seinen zerkratzten Shareware-CDs vermisst, ist es irgendwie nahe liegend, sich in dem gleichen Genre der Retro-Welle weiter zu bewegen und etwas in diese Richtung somit online zu stellen.

Also habe ich genau das gemacht, was man heute wirklich nicht mehr tut, weil die Zeiten dessen vorbei sind…. richtig! Ich habe ein Forum installiert *hust*! Jaja, das 12. oder so im Laufe der vielen Jahre und der treuen Mitleser und jedesmal hat keines länger als 4 Wochen überdauert oder war anschließend im dienstlichen Rahmen ganz anders eingesetzt. Nur gab es damals auch genug andere Dinge zu betreuen und der Anflug an Interesse war deshalb auch immer schnell verloren oder konnte nicht ausgelebt werden.

Die Situation ist jetzt allerdings völlig anders, denn es gibt keine anderen, privaten Hobby-Projekte mehr und die Technologie hat sich auch munter weiter entwickelt – denn dadurch sind diese Plattformen schnell, kompakt und vielseitig geworden – und es macht tatsächlich richtig Spaß sich durch die Einstellungen zu klicken und ein Forum neu zu „konstruieren“.

So… also habe ich Muli.cc jetzt damit ein Forum verpasst und sehe es einfach mal als einen persönlichen „Notizzettel“ für zuhause und unterwegs an , aber zugleich auch als kleinen Ort der kollaborativen Rückzugsmöglichkeit für den gemeinsam Austausch abseits von dem Blog hier mit (meinen) seinen spezifischen, von mir ja (vor)definierten, Inhalten.

Klar, es wird sich kaum etablieren, denn wer soll da schon reinschauen, schreiben, fragen und diskutieren – vor allem ohne spezifischen Fachbezug? „Niemand“ ist da schon eher die richtige Antwort, aber das ist auch nicht so sehr wichtig, denn mir macht es auch so einfach Freude… also es zu „haben“ sozusagen.

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Für den Zugriff und den Nutzen muss man sich übrigens ganz normal Anmelden bzw. Registrieren im Forum (als Absicherung gegenüber Spam und den bösen Jungs) und verfügt dann aber auch über Zugriff auf alle sonst nicht öffentlich sichtbaren Foren-Bereiche (übrigens auch mobil mit Smartphone und Co.), kann neue Beiträge oder Fragen stellen, mitreden, private Nachrichten verschicken und so weiter. Das Übliche halt, was man in Foren so machen kann und konnte. So wie damals eben noch vor Whatsapp-, Facebook-, Twitter- und Instagram-, Likes und Share-Zeiten… also die Glanzzeit der „Bulletin Board Systems“ damals, die ja die erste Anlaufstelle bei Fragen, Interessen und dergleichen waren.

Hach, ist das schön… ein gutes, altes Forum also. Jetzt freue ich mich sogar zur Abwechslung mal wieder ein wenig! Und genau so soll es sein. Freude im Leben! Ich lasse das Teil jetzt ganz bewusst zumindest bis Ende 2015 laufen und ziehe dann ein Resumeé, ob ein weiteres Jahr folgt, hoffe aber natürlich, dass sich vielleicht der oder die Eine oder Andere traut und dort reinschaut und mitwirkt… und es wachsen und damit atmen lässt.

Somit: das (noch tote) Forum.

2 Kommentare


  1. @Stefan: man kann das Teil bei Bedarf übrigens auch fürs Projektieren verwenden (eigenes Projekt-Subforum, das abgeschlossen dann nur für Berechtigte (eben das „Podcast-Team“) zugänglich ist. Hatten wir schon mal, aber das hier steht tatsächlich zur Verfügung. Mobile und Tablet-Support inkludiert, Backup und Daten in meinen Händen/Server.

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