Bitterer Schwede

Da kaut man munter und losgelöst von der hiesigen Welt auf Rosmarin-Chips herum, die in ihrer Verpackung auch nur in einem Land zu kaufen sind, das sonst kaum andere Probleme haben kann bei soviel Wohlfühl-Luxus, und ramme mir aber am Höhepunkt des geschmacklichen Genusses ein dreieckiges Chips-Stück wunderbar tief in den Gaumen. Eh klar und auch ein Klassiker… man muss nicht weiter damit gedanklich hadern.

Schwedenbitter

Das Ganze aber auch noch kombiniert mit einem etwas sauren Orangensaft anschließend und einer kleinen Schwellung an der Wange, ausgelöst durch eine Tischkante und einer Katze, die mir in diesem einen, speziellen Moment zufällig ihr Leben ausschweifend zwischen die Füße warf und mein Gleichgewicht ins Wanken brachte, führte dann doch zu einer gewissen Reizung in der Mundhöhle. Also gut, man muss (seufz) schon wieder etwas tun. Das Leben ist ein Dschungel an Überlebenskämpfen. Mundspülung mit irgendwelchen chemischen Lösungen und dergleichen – Resultat: aua.

Also mal durch den Supermarkt schlendern und sich einfangen lassen von warmen Lichtern, angefressenen Verkäufern und abgegriffenen Packungen.. und dann, ja dann leuchtete mich ganz unabhängig davon eine Flasche „Schwedenbitter“ neben den Vitamintabletten und den Sojakakaos an. Keine Ahnung was das sein soll, also nehmen und kaufen. Oha, teuer. Egal, man hat es ja *beißendeIronie* und man lebt nur einmal.

Dann Zuhause hingestellt, angestarrt, Google angeworfen und die Inhaltsstoffe durchforstet… na sieh mal an! Bittere Kräuter, Alkohol, viel Alkohol, bisschen Wasser und etwas Zuckerkulör zum einfärben. Klingt ja fast harmlos (das sage ich jetzt als Nicht-Trinker von alkoholischem Feuerwasser). Aber es klingt nicht nur fast gesund, sondern es gilt auch als ein klassisches Hausrezept der alten Schule. Und so wie alle magischen Getränke, bei denen irgendein Kraut angeblich eingelegt wurde und viel Alkohol drinnen ist, hilft es gegen alles.

Ob Magenprobleme, Muskelschmerzen, Zahnprobleme oder Kopfschmerzen – das altbewährte Hausmittel, das man sich anhand unzähliger Anleitungen im Netz problemlos und mit Geduld auch selber ansetzen kann – heilt und rettet alles, was irgendwie Körpertechnisch schief läuft – wenn man der alten Großmutter Glauben schenken kann, die in den Foren ganz an vorderster Stelle lange und ausführlich postet. Jaja.

Wie auch immer – da dachte ich mir, gut – nicht nur die Flasche wirkt nett, vielleicht hilft das auch zufällig gegen das Cut im Gaumen… also rein damit. Als Nicht-Alkoholiker, der maximal drei Teelöffel Alkohol pro Jahr in Form von gefüllter Schokolade und zu Silvester mit O-Saft und mit einem verzogenen Gesicht zu sich nimmt, ist so ein kleiner Schluck aus dieser Flasche natürlich eine Explosion an Bewusslosigkeit, Inferno, Husten und der langsame Selbstverbrennungstod im eigenen Angesicht des Badezimmerspiegels. Spannende Sache.

Den Prozess habe ich ein paarmal wiederholt, habe die bitteren Kräuter, genau die BITTEREN Kräuter, in meiner Mundhöhle wirken lassen und man lese und staune nicht unüberraschend: es hat geholfen. Sehr gut sogar. Von der kleinen, gereizten Wunde ist nichts mehr zu spüren und zu merken, die Schwellung von der Kollision detto und auch sonst läuft der Magen etwas runder als sonst eingebildeterweise. Kein Wunder, 40% Alkohol bieten dem Körper nicht viel Spielraum – alles was rumkriecht und fleucht im Körper stirbt augenblicklich ab oder wird schlagartig betäubt. Funktioniert sicherlich äußerlich und innerlich gleich gut. Aber keine Ahnung, was man sonst noch damit machen kann oder eigentlich sollte – weiß da jemand mehr? Außer Manna, Enzianwurzeln, Kampfer, Angelikawurzeln, Theriak, Wermutkraut, Zitwerwurzeln und dergleichen als Inhaltsstoffen gibt es sonst keinerlei Blabla auf der Flasche.

Aber: gutes Zeugs, Brüder und Schwestern! Sollte man in jeder Hausapotheke auf jedem Küchentisch griffbereit stehen haben. Mmmhh!

Nein, das ist keine versteckte Werbung und ich wurde nicht für dieses Product-Placement bezahlt – denn ansonsten sollte man ja glatt wegen Körperverletzung klagen… *schluckhustschluckhust*. Das hier ist ein sinnfreies Alltagsprotokoll aus meinem Fiasko der Existenz Leben.

5 Kommentare


  1. 1. hoffe, die katze liegt seither im eck, wurde schwedengebittert und traut sich keinen mucks mehr machen!!! >:(
    2. aha. ich brauch schwedenbitter. 🙂


  2. ich bin entsetzt, dass du dich vom teufel alkohol krallen liessest. in einem angsttraum sah ich bereits, wie du auf der höhenstraße von einer funkstreife – die verkehrsteilnehmer, die sich durch deine schlingernde fahrweise bedroht fühlten, alarmiert hatten. einem alkotest unterzogen wurdest.
    mit positivem ergebnis. das weitere braucht nicht beschrieben zu werden !


    1. Das Gute ist, es schmeckt nicht wirklich und mehr als fünf oder sechs Teelöffel sind bis jetzt auch nicht durch meine Gurgel gewandert – pro Woche schaffe ich wohl nicht mehr als einen Halben ohne Grund.

      Die Fahrt auf der Höhenstraße war ja (leider) ein einmaliges Ereignis und findet so keine Wiederholung… deswegen hebe ich mir die schlingernde Fahrt – dann wohl aufgrund zuviel von Kakaogesüff in meinem Magen – am besten einmal für eine Radtour durch die Innenstadt auf… ein paar Touristen erschrecken hebt das Selbstwertgefühl schließlich recht prächtig und schadet dem kollektiven Haufen da draußen auch nicht wirklich. Spaß und Leben muss doch sein – sprach die Kakao-Werbung und treu wie ich bin, rühre ich mir sogleich ein Glas an, denn Schokolade bietet schließlich doch mehr an Hochgefühlen als der schnöde Alkohol aus dem Regal der Arbeiterklasse – die Glas-Flasche des bitteren Schweden aber an sich mag ich sehr – hat eine gewisse Wertigkeit in ihrer Ausstrahlung, die man bei Kakao-Schachteln leider recht betrübt vermissen muss.


  3. hahaha! jetzt ist mir endlich klar warum ich kakaorumfüllungen so mag.
    oder den schokobaileys. 😀 😀 😀
    und im übrigen, zu den ängsten von le borgne:
    soweit ich mich erinnere, hab ich anno dazumals von der fahrschule aus bei einem test mitgemacht: wie reagiere ich auf alkoholeinfluss.
    das ergebnis ist heute noch ermutigend: nach 2 1/4, also einem halben liter rotwein, (war aber ein schlechter), zog ich wesentlich ruhiger meine bahnen über die landstraße am monitor als mit 0,0 promille.
    nüchtern betrachtet, sollte ich mich also eigentlich jeden morgen dem suffe hingeben um nicht aus der reihe zu tanzen.
    😀 😀 😀


  4. versuch grad sinnvolles zu denken, damit die hirnwindungen das ganze unnötige zeugs, das mir manche reinstreuen wollen, verschwindet.
    aaaalso:
    man kann schwedenbomben mit schwedenbitter füllen
    man kann ihn zum katzenvernichten nehmen
    man kann seinen fußpilz damit erschrecken
    man kann damit so tun als ob man ihn nur wegen der heilwirkung zu sich nimmt und nicht wegen der sucht
    man kann damit rheumaumschläge und sich zugleich durch die dämpfe bewusstlos machen
    man kann ihn als brennmittel verwenden
    war das gut?

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