Sardinen müssen atmen

16 Kilometer waren es heute zu Fuß zwischen Beton, LKWs und Kleinwagen, die ich im Rahmen meiner beruflichen Betätigung vollbringen durfte. Wie auch immer, denn mehr kann ich zu dem Abschnitt nicht sagen, auf jeden Fall ging es danach in den Untergrund… Und wer mich näher kennt, weiß, dass ich beinahe alle öffentlichen Verkehrsmittel in irgendeiner Form für erträglich empfinde – ausgenommen U-Bahnen, die ja für mich das – technisch umgesetzte – fehlgeschlagene Modell von Miteinander, Nächstenliebe und sonstiger schwammiger Wörter darstellt. Es ist ein Schieben, ein Drängen und ein Grund-Unmut bei den Fahrgästen zu finden und all das wird in allen Facetten, die die Menschheit in ihrem Sein und Schein so äußert, radikal ausgelebt.

Geht es Euch auch so? Das Fahren mit so einer U-Bahn vermittelt irgendwie doch weder Freude noch einen Gedanken von Erfolg und Elan. Bei einer Straßenbahnfahrt kann es durchaus zu Erlebnissen kommen, die auch angenehm sein können. Sei es eine Tour durch einen Bezirk mit schönen Altbauten, die wärmende Heizung unter den Sitzen, um die sich alle drängen oder auch die Zeitungslektüre, die immer munter irgendwo herumliegt… auch Busse können unter Umständen manchmal gemütlich sein, je nach Fahrzeit, und auf etlichen Strecken macht sogar jede Kurven und Bodenwelle sogar Spaß… man genießt gewissermaßen die Autofahrt mit dem Chauffeur (hab ich diesen Idiotismus gerade wirklich getippt?).

Aber beim U-Bahn-Fahren? Da tut sich nichts. Es ist meistens kalt, laut, anstrengend aufgrund der Stufen, Aufzüge und Gerüche, man weiß bei einem Hindernis oder Schaden geht nichts mehr weiter und es werden noch mehr Menschen und wenn man mal im Tunnel steckt, dann ist man froh, wenn sich das gedrängte Leben zwischen ruhigen japanischen Touristen abspielt und sich die Kopfhörer griffbereit unter dem Pulli finden. Nein, U-Bahnen bleiben mir von Grund auf fremd und unsympathisch… und das als Großstadtbewohner der ersten Lebensminute und nach vermutlich Hunderten (oder mehr) Fahrten im Lauf der letzten 3+ Jahrzehnte damit. Schließlich müssen auch Sardinen atmen. Und U-Bahnen sind die modernen Zuchtbecken von Krankheiten, Erstickung und Ebola-Seuchen der neuen Zeit.

Ausgenommen heute… da war ich einfach nur froh, einen raren Sitzplatz zu ergattern und die Augen zu schließen. Rucksack, Laptop-Tasche plus Gerät aus dienstlichen Gründen ständig griffbereit in der Hand und dicke Jacke plus Handschuhe – an die 7 Stunden lang und alles Dinge, die nach 5 Kilometern bereits sehr anstrengend werden und wo man langsam über jeden kleinsten Armmuskel froh ist, der das Gerät noch eine Minute länger in der Hand balancieren lässt. Aber gut, zur U-Bahn…. ich war ehrlich gestanden so müde, dass ich nicht mal die Stufen, den übel riechenden Sitznachbarn oder das Geschnaufe vom Gegenüber so wirklich wahrgenommen habe… glücklicherweise. Da erinnert das Ganze einfach nur mehr an eine harmlose Klassenfahrt in der wirren Kindheit, wo man strategisch schlecht geplant ganz hinten im Bus sitzt, während vorne sich die Ersten übergeben. Fensterlos, aber man überlebt es dennoch aus unerfindlichen Gründen.

Und traurigerweise würde ich gerne eigentlich hier mal wieder etwas Geistreiches schreiben, also so einen echten, ernsten Text mit Inhalt und Aussage… ihr wisst schon. So Bla halt – aber momentan reicht mir auch eine Bettdecke, um glücklich zu werden.

2 Kommentare


  1. die letzten beiden male, wo ich in der ubahn die augen schloss. beim ersten mal, saß, als ich sie wieder öffnete, ein, sagen wir, inder, in entsprechender tracht, incl einem 40cm langen krummsäbel gegenüber und hat mich seltsam ernst angestarrt.
    beim zweiten mal konnte ich gerade noch meinen kopf zur seite sausen lassen, um nicht eine 2m lange holzleiste, die einer in der drängerei mittrug, im auge stecken zu haben.
    seither schloss ich in der ubahn nie wieder die augen.
    übrigens: kalt? mir ist meist zum umfallen heiß. auch nicht besser.


  2. der text hat inhalt.
    und sagt eine menge aus.

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