Kalte Schultern

Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, wenn ihr durch die Stadt spaziert, aber immer öfter denke ich mir, dass die Blicke der Menschen sich in den letzten Jahren irgendwie abgekühlt haben. Man rempelt mehr, weicht weniger aus, denkt nicht an den Menschen, der hinter einem geht – die Masse ist egoistischer und auf sich selber fokussierter geworden. Der andere Gegenüber spielt da nur eine Nebenrolle.

Auch Situationen wie heute, als zum Beispiel ein Mann die Straße auf meinen Gehsteig hin überquert, mich kurz anschaut und dann vor mir geht. Aber nicht seitlich, um mich passieren zu lassen – nein. In der Mitte. Und ist dann überrascht und verärgert, wer sich da denn plötzlich vorbeidrängen will (ich). Ist das wirklich so überraschend, wenn man gerade erst Blickkontakt und den anderen Mitbürger vor der Nase hatte?

Gut, man könnte sagen, es handle sich um einen Tagträumer – aber nein, solche Situationen häufen sich und hat meiner Meinung nach eher mit einem fehlenden Körpergefühl für Mitmenschen zu tun… Etwas, das sich immer öfter in Menschenmassen beobachten lässt. Da wächst wirklich eine ganz neue Gesellschaft heran und ich glaube nicht, dass sie besonders gut ist. Aber ja… liegt vielleicht auch an meinem gehobenen Alter.

2 Kommentare


  1. ich denk mir das in letzter zeit immer beim autofahren: dauernd passiert´s mir, dass mir jemand in der mitte der straße entgegenkommt. und sich dann wundert, dass ich blinke, hupe oder sonstwas. konnte man früher annehmen, dass es sich entweder um führerscheinneulinge, schwer betrunkene alte auf dem traktor, die einfach nicht anders können, oder hormonüberschussgesteuerte jungmachos handelt, sind´s heute die jungmuttis und die ganz normalos, die früher mal vw – käfer und hut hatten, die aggressiv um die kurve schwingen, als hätten sie einen riesenlkw samt explodierender ladung noch schnell aus dem tunnel zu bringen. und das im stadtverkehr nicht ein, zweimal am tag, sondern wirklich dauernd.


    1. Ja, das mit dem Verkehr trifft es recht gut. Das fällt auch mir als Neuling in diesem Kampf auf… das Motto heißt wirklich „Traue niemanden“.

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