Der Zitronenfalter

Seit mehr als einem Jahrzehnt blogge ich bereits, es sind unzählige Texte, Gedanken und Erzählungen aus dem Leben und meinen Ansichten entstanden – und eigentlich hatte ich den festen Plan, dies auch die nächsten Jahrzehnte oder länger genauso an einem Fleck weiter zu führen. Es sollte gewissermaßen mein ganz persönliches Alltagsmanifest werden, das ich ganz am Schluss, wenn ich einmal (noch) älter bin, zu einem dicken Buch binden lassen wollte. Nach dem aktuellen Stand wäre dieses analoge Backup wohl bereits an die 1000 Seiten schwer.

Und doch habe ich mich entschieden, völlig frisch und neu, woanders – nämlich hier – den Weg fortzusetzen. Vorläufig mehr losgelöst von meiner Person und meinem Namen. Denn auch wenn alles jahrelang gut ging, begannen in letzter Zeit zu viele Personen aus dem täglichen Alltagsumfeld meine Zeilen zu lesen… was für sich kein Problem wäre und ja auch immer gewünscht wurde… denn welcher Blogger möchte nicht, dass jemand seine Texte liest, sich vielleicht sogar daran erfreut, einen Nutzen aus ihnen zieht und vielleicht sogar seine eigenen Gedanken dazu äußert?

Der eigene Käfig
Schwierig wird es allerdings dann, wenn Menschen, mit denen man jeden Tag auch direkt zu tun hat, entweder nicht zwischen den Zeilen lesen können – oder viel zu viel in jeden einzelnen Satz interpretieren und Schlussfolgerungen ziehen, die völlig losgelöst von meiner eigenen Meinung und meinen Ansichten bestehen. Und deren und meine Welt nicht einmal in irgendeiner Form auf eine Linie zu bringen sind… dass solche Dinge beim Bloggen passiert, gehört aber natürlich dazu. Es ist normal und geht wohl jedem so, der auch mal in der digitalen Welt einen Einblick in seinen Kopf bietet – man kann und lernt damit umzugehen im Laufe der Zeit.

Allerdings haben nun in diesem Jahr 2014 einige Begebenheiten gezeigt, dass mein aktuelles Umfeld hier viel zu viel in jeden Satz und jede Äußerung interpretiert, folgert und dadurch Meinungen bildet, die mit dem Gesagten in keinem Zusammenhang stehen. Missverständnisse, die auszustrahlen beginnen und jedes weitere Wort noch gewichtiger macht. Und da wird es dann komplex und schwierig.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, (endlich) woanders frisch anzufangen… der alte Blog bleibt bestehen und online, ich lasse ihn unberührt – damit geht somit auch nichts an der vielen Arbeit und der Freude daran verloren und das Pseudo-Gedanken-Manifest bleibt ebenso als einer von mehreren Teilen bestehen – und beginne nun hier ein neues Blog-Leben. Frisch und sozusagen als eine Art von „Reset“.

Unabhängig davon werde ich durch diese Begebenheit weiterhin und auch wieder viel losgelöster über meine Gedanken und meine Ansichten schreiben können – denn diese Freiheit fehlte mir schon länger, schließlich baut man sich ja den einschränkenden Lebenskäfig auch immer selber. Schreibt man einmal in entspannter Stimmung, dass man gerade etwas melancholisch ist, darf man sich am nächsten Tag im realen Leben gleich anhören, dass man depressiv sei und was denn passiert ist… oder man tippt über etwas Freudiges und sieht sich dann dafür wiederum Eifersucht oder Missgunst im analogen Alltagsumfeld gegenüber gestellt…

Warum dieser Name?
Warum Honigtropfen und warum schreibe ich ausgerechnet als Zitronenfalter…? Es sind vereinfacht gesagt Wörter, die ich einfach mag, sie sind von Natur aus sympathisch und – zumindest für mich – mit etwas Positivem verbunden. Honigtropfen sind süß, stammen von Lebewesen und stehen stellvertretend für die Alltagsgedanken, die hier immer wieder landen, während der Zitronenfalter faszinierende Eigenheiten besitzt, wie zum Beispiel dass er im Winter einfach im Freien lebt, sogar unter Schnee und Eis, bis minus 20 Grad überdauert und auch ansonsten ein gewisser Allrounder ist, der im Flachland, aber genauso auch in den Bergen seinen Lebensraum findet und zudem praktisch überall in ganz Europa vorkommt… solche Tiere mag ich.

Also, auch wenn die Jahreszeit gerade nicht so passt, aber hier beginnt gerade ein neuer Frühling – Willkommen!

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