80er Radstimmung

Zugegeben, die letzten beiden Einträge waren eher Füllbeiträge, damit es für den Start nicht ganz so leer ausschaut. Aber jetzt kann der Blogalltag wieder beginnen, soll heißen „viel schreiben“ und dabei wieder weiter um das Nichts philosophieren – das, was halt Blogger eben so machen. Ein wenig Pseudo-Alltagsweisheiten in den Wind streuen, versteckte Selbstdarstellung gut verpackt ausleben, Meinungen gezuckert und garniert unter die Leute bringen und wissend über komplexe Themen schreiben, so als ob man eine Ahnung davon hätte. Und ja, das tut tatsächlich gut.

Denn so ein Blog ist ja eigentlich nichts anderes, als eine selbstgestaltete Therapie. Man betreibt sie konsequent regelmäßig (sollte), man setzt sich jedesmal mit einem spezifischen Thema auseinander – und sei es ein Youtube-Video – und ringt um Worte, um das Gesagte einerseits verdaulich zu visualisieren, aber zugleich um auch die eigene Meinung und Ansichten darin ausleben zu können. So dass alles gesagt wird und zugleich aber sich niemand daran weh tun kann. Das ist die Aufgabe, die Herausforderung und irgendwie auch die Entspannungsübung für das eigene Ich. Man kann etwas rauslassen… eine Stimmung, eine Emotion, Ärger, Wut oder Gedanken für die sich sonst niemand interessieren, geschweige denn dem Firlefanz zuhören, würde.

Wenn wir jetzt schon bei Emotionen und Gefühlswellen sind, halte ich übrigens so nebenbei fest, dass ich in den letzten Tagen einen neuen Drive zum Radfahren gefunden haben… ideal für die Stadt und unabhängig vom Wetter: den elektrischen Synthesizer-Klang der 80er. Begonnen hat es mit ein paar zufälligen Videos auf Googles kollektiver Ego-Darstellungsplattform und der Erinnerung dabei an die gute, alte Zeit, als man sein kleines, unscheinbares Dasein damals noch vor den ersten Spielkonsolen am Röhrenbildschirm verbrachte und dabei versuchte, ein paar eckige Pixelformen zwischen anderen digitalen Blöcken zu manövrieren.

Wer hat da noch den satten, scharfen Sound der Laser-Töne im Kopf? Dazu die kantige Intromusik, die in einer Endlosschleife durch das Wohnzimmer zur morgendlichen Stunde röhrte, als man heimlich zu früh aufstand, um vor der Schule doch noch Level 21 durchzuspielen, um dann mit erhobenen Haupt und zittrigen Fingern durch die Klassenräume zu stolzieren? Großartige Zeit. Und Rückblickend eigentlich irgendwie viel analoger und mechanischer als die heutige Zeit – angenehmer!

Das Video hier ist großartig, um zum Beispiel zu sporteln oder bei strahlenden Sonnenschein durch die Innenstadt zu treten, vorbei an suchenden Touristen, genervten und spuckenden Fiakern und ratternden Straßenbahnen. Das schleifende Stehenbleiben vor der Ampel und das Ausbalancieren, um ja nicht mit den Füßen den Boden zu berühren. Übrigens kann ich genau solche Radfahrer-Typen im Fußgänger-Alltag überhaupt nicht ausstehen und finde sie präpotent, aber ja – alles nur eine Frage der Perspektive, denn sobald man selber im Sattel sitzt, schaut die Welt ja auch wieder etwas anders aus. Aber Zellhaufen, die sich wie Fahnen im Wind drehen, sind wohl eh am glücklichsten.

Zudem haben die 80er-Videos noch eine Eigenheit… die Menschen sind generell schlanker, sportlicher und dynamischer, als man sie heute in Filmen, Serien oder sonstigen Videos sieht. Irgendwie war das damals eine flotte(ere) Aufbruchszeit, mit mehr guter Laune und viel mehr im gemeinschaftlichen Kollektiv als in der heutigen & jetzigen Zeit. War ja auch die Ära der Supermodels, der Supersportcars und dergleichen… die auch verloren ging. Leider. Aber das war wohl der Stimmungs-Nachläufer-Flow der damaligen Hippie-Generation und wenn ich so zurückschaue, wirkte auch in der Familie und dem näheren Umfeld generell die Grundstimmung höher und freudiger in der gelebten Gesellschaft – soweit man das als kleiner Lümmel überhaupt beurteilen konnte.

Aber eines ist sicher – die Klänge dieser Ära waren deutlich raumfüllender und satter – sogar bei der neugeformten Retrowelle wie hier, die aber recht gekonnt umgesetzt und mit altem Material kombiniert wird.

1 Kommentar


  1. der im goldhöschen gefällt mir am besten 😀
    und : ich möchte auch dorthin wo man entspannt swingend im bikini durch die straßen geht….
    ja, irgendwie denk ich das auch, damals war noch mehr aufbruchstimmung und mehr positiver sound.
    jetzt haben auch die babys seit jahren schon totenschädel auf den windeln gedruckt und sounds samt texten haben einen destruktiven, depressiven, abgeklärten touch…

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